Abnehmen mit Formoline L112?

Krabbenschalen als Abnehmhilfe?

 Es ist ein Stoff mit vielen Anwendungsmöglichkeiten: Chitosan (auch Polyglucosamin genannt) bindet Fett und Öle in enormen Mengen. TV-Spots unter der Lupe: Formoline L112: Krabbenschalen als Abnehmhilfe?Ein Gramm dieser Substanz kann bis zu 700 Gramm Öl aufsaugen. Weshalb der aus Schalen von Krabben und anderen Krustentieren hergestellte Grundstoff in der Chemischen Industrie u.a. zum Entfetten und Reinigen von Flüssigkeiten eingesetzt wird. Findigen Pharmazeuten kam da schnell die Idee: Könnte man einen solchen Stoff nicht auch als eine Art „Fettmagnet“ im menschlichen Körper einsetzen?

Der Hersteller von Formoline L112 jedenfalls geht davon aus, dass der menschliche Organismus ein sinnvolles Einsatzgebiet ist und wirbt für seine Pille (Hauptwirkstoff Polyglucosamin) mit dem Slogan „Vermindert die Kalorienaufnahme aus den Nahrungsfetten“. In der Theorie funktioniert das so: Der Faserstoff bindet Fett (aufgrund elektrostatischer Anziehung); das Ergebnis ist eine zähflüssige Mischung, die über den Darm unverdaut ausgeschieden wird.  

Studien des Herstellers, die die Wirksamkeit belegen, dürfen natürlich nicht fehlen. In einem Fall (Einnahmedauer 60 Tage) verloren die Teilnehmer rund 1,2 kg Körpergewicht, in einem anderen Fall (12 Wochen-Studie) waren es rund 4,2 kg. In beiden Fällen purzelten mehr Pfunde als in der Gruppe ohne Formoline L112.

Formoline L112: Gravierende Nebenwirkungen

Doch leider wollen sich solche verkaufsfördernden Ergebnisse nicht unbedingt einstellen, wenn herstellerunabhängige Wissenschaftler mit der Wirksubstanz arbeiten. Da kann es schon mal sein, dass sich beim morgendlichen Wiegen der Studienteilnehmer gewichtsmäßig so gut wie gar nichts tut – und das wochenlang. Das Resümee des Arznei-Telegramms, eines pharmakritischen Infodienstes für Ärzte, fällt entsprechend ernüchternd aus: „Das Gewicht wird mit Chitosan nicht relevant reduziert.“

Wobei Gewichtsstillstand noch nicht einmal die schlimmst­mögliche Folge wäre. Gravierender sind da schon die Nebenwirkungen. Denn auch fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K werden zumindest zum Teil mit dem gebundenen Fett unverdaut ausgeschieden. Weshalb der Hersteller nahelegt, die möglichen Vitamindefizite durch ein Multivitaminpräparat wieder auszugleichen. Vorsichtig müssen auch alle Frauen sein, die Empfängnisverhütungsmittel und andere Hormonpräparate schlucken: Auch diese Substanzen sind fettlöslich und können ihre Wirksamkeit einbüßen. Die Firma empfiehlt deshalb im Beipackzettel einen vierstündigen Einnahmeabstand und hofft damit das Problem gelöst zu haben.

Als Kosumenten für Formoline L112 kommen laut Gebrauchsinformation „übergewichtige Menschen“ in Frage. Denen wird eine „fettbewusste Ernährung“ empfohlen mit 60 bis 80 Gramm Fett pro Tag inklusive viel Bewegung. Erst dann kommt die Krabbenschalenpille ins Spiel: „Besonders zu Beginn einer Ernährungsumstellung fördert formoline L112 die Motivation durch verstärkte Erfolge und Anwenderfreundlichkeit.“

Formoline L112: Es droht der Jojo-Effekte

Und was kommt nach dem Beginn? Alle Studien (auch die vom Hersteller erwähnten) enden nach wenigen Wochen oder Monaten. Doch niemand will sein Gewicht nur für kurze Zeit normalisieren. Aber auch für dieses Problem bietet die Firma eine Lösung an: „formoline L112 kann langfristig eingenommen werden.“ Denn ansonsten droht der Jojo-Effekt – mal unterstellt, dass das Präparat überhaupt spürbar wirkt.
 

Wer sich in eine solche Abhängigkeit begeben will, sollte außer den Nebenwirkungen auch die Kosten im Blick haben. Je nach Packungsgröße zahlt man für die Monatsration nach Herstellerangaben zwischen 63 und 77 Euro. Wahrlich viel Geld. Dafür kann man auch ins Fitness-Studio gehen – Premium-Mitgliedschaft inklusive. →nächster Bericht

Erschienen in feminin & fit 3/2011

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