Abnehmen mit XLS-Medical?

TV-Spot unter der Lupe

 Ach, könnte man doch essen was und soviel man will. Wären da bloß nicht immer diese Fette und Kohlenhydrate. Müssen die eigentlich sein? Kriegt man die nicht irgendwie weg? Die Frage ist gar nicht so dumm, wie sie sich anhört. Zumindest nicht aus Sicht pharmazeutischer Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, mittels Pillen die Folgen falscher Ernährungsgewohnheiten zu korrigieren. Zumindest sagen sie, dass sie das könnten, wie zum Beispiel die Firma InQpharm mit ihren „XLS-Medical“-Pillen.

Drei solcher Produkte zum Abnehmen hat sie im Angebot, von denen zwei genau das versprechen, was sich so mancher erträumt: Fette und Kohlenhydrate mit ein bisschen Chemie in Luft aufzulösen. 

„XLS-Medical“ werden die Pillen genannt, die im TV mit flotten Rhythmen und glücklichen Frauen beworben werden. „Es ist echt anstrengend immer gut auszusehen“, hört man eine Sprecherin im Hintergrund. „Aber mit XLS-Medical haben wir alle abgenommen.“

Ganz davon abgesehen, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, stellt sich natürlich die Frage: Stimmt es überhaupt, dass Moni, Caro, Sabine und Chantal – die als lebendige Beweise in die Kamera lächeln – 7, 15, 10 und 8 Kilogramm abgenommen haben?

Mit XLS-Medical Pfunde verlieren?

Wie so häufig, muss man bei Werbespots genau hinhören: „...mit XLS-Medical haben wir alle abgenommen ...“ sagt die Sprecherin. Dass das Produkt die Ursache für die verlorenen Pfunde war, wird mit keinem Wort erwähnt. „...mit XLS-Medical ...“ kann eben auch heißen, dass Moni, Caro, Sabine und Chantal nebenbei noch ein schweißtreibendes Sportprogramm absolviert und / oder ihre Ernährung grundlegend umgestellt haben.

Aber so genau hört man ja bei Werbespots meistens nicht zu. Hängen bleibt die verführerische Idee von Pillen, die geschluckt werden und dann die Pfunde purzeln lassen . . .

 In dem Werbespot geht es um eines der drei Produkte aus der Reihe, nämlich um den „Fettbinder“. Das Wirkprinzip ist vergleichbar mit ähnlichen Produkten anderer Hersteller: Eine Substanz, hier ein pflanzlicher Faserstoff, bindet einen Teil der Nahrungsfette, die dann unverdaut ausgeschieden werden. Eingenommen werden kann der Faserstoff prinzipiell unbegrenzt lange, ist sich der Hersteller sicher. Nach vier Wochen solle man aber eine Pause von 3 bis 5 Tagen einlegen, bevor es weiter gehen kann mit der Pillenschluckerei.

Kohlenhydrate werden unverdaut ausgeschieden

Ähnlich unbegrenzt lange kann nach Herstellerangaben auch der „Kohlenhydrateblocker“ eingenommen werden („2-3 Tabletten vor jeder Hauptmahlzeit“). Das Wirkprinzip: Der Inhaltsstoff soll die Aktivität eines Enzyms herunterfahren, das für die Aufnahme der Nahrungsmittelstärke in den Blutkreislauf verantwortlich ist. Ein Teil der Kohlenhydrate wird dann unverdaut ausgeschieden.

 Lifestyle-Pillen nennen sich solche Produkte, die einem vorgaukeln, alles könne so bleiben wie es ist – man müsse nur zur passenden Medizin greifen: Zum kohlenhydratreichen Frühstück gibt es den „Kohlenhydrateblocker“ und zum Mittagessen den „Fettbinder“. Und zwischendurch dürfen es auch noch ein paar Kapseln „Appetitmanager“ sein, die im Magen aufquellen und so satt machen sollen.

Wie der Körper dauerhaft auf solche Pillenmischungen reagiert? Das weiß kein Mensch. Langzeitstudien dazu gibt es nicht. Und auch wenn ein paar Kilos verschwinden sollten – es sind teuer erkaufte Pfunde die wiederkommen, wenn man mit dieser Art des „Gewichtsmanagements“ aufhört.

„Teuer“ kann man durchaus wörtlich nehmen: 60 Kapseln (egal, welches Produkt) kosten ca. 30 Euro. Allein bei nur sechs Kapseln pro Tag sind das also schon rund 90 Euro in vier Wochen. Viel Geld, für das man sich übrigens mehrmals pro Monat eine Ernährungsberaterin ins Haus kommen lassen kann.

(Erschienen in feminin & fit, Ausgabe 1/2014)

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