Allergie-Behandlung mit der Bioresonanztherapie?

Nur wenige Beweise, dass das Verfahren funktioniert

Kein Verfahren der alternativen Heilkunde ist so umstritten wie die Bioresonanztherapie. Das gilt auch für die Diagnose und die Behandlung von Allergien.

Die Grundannahme der Bioresonanztherapie ist: „Krankmachende Schwingungen“, die z. B. auch für Allergien verantwortlich sein sollen, werden durch ein sogenanntes Bioresonanzgerät in „heilsame Schwingungen“ umgepolt und dem Körper „zurückgeführt“. Und auch die Umweltallergene selbst strahlen ein "ultrafeines Schwingungsspektrum" aus.

Die beiden Erfinder des Verfahrens, Franz Morell und Erich Raschke haben es so formuliert: Das Grundprinzip des Verfahrens "ist das Löschen pathologischer Informationen, die im Körper gespeichert sind und zwar in der Körperflüssigkeit oder in den DNS der Zellkerne."

Das Problem ist nur: Bis heute hat es noch niemand geschafft, diese Schwingungen mit physikalischen Messmethoden nachzuweisen.

Das Verfahren ist zweigeteilt: Am Anfang steht die Diagnose, also die Frage, um was für eine Allergie es sich handelt. Dabei sollen mit Elektroden die körpereigenen Schwingungen aufgenommen werden. Laut Angaben der Apparatehersteller können die Bioresonanzgeräte die Schwingungen, die die Heilung in Gang bringen können, selbst herausfinden. Mittlerweile werden aber auch zum Beispiel mittels Elektroakupunktur Diagnosen erstellt.

Allergie sollen gelöscht werden

Bei der Arbeit mit den Geräten geht es nach Vorstellung der Behandler darum, die negativen Schwingungen, die die Krankheit – hier die Allergie – auslösen – zu neutralisieren. Allergien sollen so regelrecht „gelöscht“ werden können.

Die Behandlungsdauer ist unerschiedlich. Manchmal soll eine Sitzung reichen; manchmal müssen es aber auch sechs oder mehr sein. Sollte eine Beziehungsstörung vorliegen und der Partner in irgendeiner Form mitverantworlich für die Allergie sein, dann kann auch eine zusätzliche Behandlung mit "Partnerresonanzen" empfohlen werden.

Wie das gesamte Verfahren nun genau im Einzelnen funktionieren soll, ist alles andere als klar. Denn über die Jahre sind immer wieder neue Begriffe und Vorstellungen aufgetaucht, die einen starken Bezug zur Esoterik haben. Da ist zum Beispiel die Rede von Störfeldern, Biofunktionsdiagnostik, ultrafeinen Signalen, Toxinschwingungen, sechsdimensionale Hyperwellen oder Elektronen-Plasma-Strom. Schon vor Jahren hat der österreichische Physiker Dr. Cap die gesamte Theorie als pseudowissenschaftlichen Blödsinn bezeichnet; die Erklärung der Wirkungsweise widerspreche grundlegenden Erkenntnissen der Physik; andere "konventionelle" Experten bestätigten das. Und auch zum Beispiel für die Fachkommission der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie ist Bioresonanz "diagnostischer und therapeutischer Unsinn".

Allergische Reaktion als "Ausdruck eines überlasteten Organismus"

Schon die Grundannahmen werden von Kritikern bezweifelt. So geht die Heilpraktikerin Dr. Muna Bittner davon aus, dass "eine allergische Reaktion immer Ausdruck eines überlasteten Organismus" ist – eine Sichtweise, mit der die meisten Schulmediziner nichts anfangen können.

Klinische Studien gibt es so gut wie keine. "In einer klinischen Studie zur Bioresonanztherapie bei Neurodermitis konnte kein Rückgang der entzündlichen Ekzeme und kein über eine Scheinbehandlung hinausgehender therapeutischer Effekt festgestellt werden", so die Stiftung Warentest in dem Buch "Die andere Medizin". 2006 wurde in einer internistischen Arztpraxis eine "Studie zur Wirkung einer standardisierten MORA-Bioresonanztherapie auf funktionelle Magen-Darm-Beschwerden" durchgeführt. Das Ergebnis: Die "Bioresonanztherapie verbessert deutlich nichtorganische Magen-Darm-Beschwerden". Auch rheumatische Erkrankungen sollen sich mit der Bioresonanztherapie behandeln lassen.

Ansonsten müssen für die Wirksamkeit des Verfahrens Berichte über genesene Patienten herhalten, deren Heilung der Bioresonanztherapie zugeschrieben wird. So wurde zum Beispiel in der Deutschen Heilpraktiker Zeitschrift 2012 berichtet, wie ein Patient mit chronischer Urtikaria (Nesselsucht) nach nur wenigen Wochen mithilfe der Bioresoanztherapie völlig beschwerdefrei wurde.

Dass es bei der Behandlung von Allergien immer mal wieder zu Behandlungserfolgen kommt, lässt sich nach Ansicht von Ärzten durchaus erklären, insbesondere bei Kindern. Denn Allergien haben häufig eine starke psychosomatische Komponente, die auch ein spontanes Verschwinden erklären kann, aber nichts mit dem Verfahren selbst zu tun habe. Weshalb der Spruch, "Wer heilt, hat recht" hier nicht angebracht sei.

Es wird nicht nach den bestmöglichen Verfahren behandelt

Auch wenn die Bioresonanztherapie selbst harmlos sei, können die Folgen trotzdem gravierend sein, so Allergologen. Denn wer über Jahre falsch behandelt werde, könne eben nicht nach den bestmöglichen Verfahren behandelt werden. Gerade bei Asthma könne das zu lebensgefährdenden Situationen führen, wenn zum Beispiel eine eigentlich notwendige Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten unterbleibe.

In den USA ist das Verfahren seit Mitte der 90er Jahre offiziell nicht mehr als Behandlungsmethode zugelassen. Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erstatten die Kosten nicht.

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