Anti-Aging. Wie natürliche Hormone dabei helfen

Gut für Haut, Immunsystem und Fitness

Weit über 60 Hormone durchfluten unseren Körper. Ihre Bedeutung wird auch heute noch oft unterschätzt. Hormone steuern unsere Gefühle und unser Sexualleben. Doch sie können noch viel mehr: Hormone bestimmen entscheidend unsere Lebensqualität und Gesundheit – insbesondere in der zweiten Lebenshälfte macht sich das bemerkbar. Lesen Sie, wie Sie mit einer hormonfreundlichen Lebensweise den Anti-Aging-Effekt dieser natürlichen Körperchemie möglichst lange erhalten können.

 Die bekanntesten Hormone sind die Sexualhormone vom Typ der Androgene (z. B. Testosteron) und der Östrogene. Sie spielen bei der Fortpflanzung eine wichtige Rolle, aber sie erfüllen auch andere wichtige Aufgaben: Beide Hormongruppen beeinflussen nicht nur psychische und emotionale Prozesse, sondern sie bestimmen Festigkeit und Kraft der Muskulatur und damit zum Beispiel die Stabilität des gesamten Haltungsapparates.

Das Wachstumshormon steuert auch das Immunsystem

Lange Zeit glaubte man, dass das Wachstumshormon (STH) nur in der Jugend für eine optimale Entwicklung sorgen würde. Aber mittlerweile steht fest: Es ist auch im Erwachsenenalter ein unverzichtbares Hormon. „Es reguliert, wie viel Fett und Magermasse unser Körper aufweist, wie effektiv das Immunsystem arbeitet und vieles andere mehr“, so Simone Homm, Ärztin für Innere Medizin im Krankenhaus Bruchsal, die sich schon seit Jahren mit dem Einfluss der Hormone auf Körper und Psyche beschäftigt und zu dem Thema auch ein Buch veröffentlicht hat (Handbuch Anti-Aging & Prävention, Kilian-Verlag).

Generell sei dieses Hormon wichtig, wenn es „um den Erhalt von jugendlichem Aussehen sowie körperlicher und geistiger Fitness geht.“ Auch auf innere Organe und Knochen wirkt STH – mehr oder weniger, je nach vorhandener Menge und das das ganze Leben lang. Es ist damit eines der wichtigsten Anti-Aging-Hormone überhaupt.

Weitere positive Auswirkungen des Hormons, die wissenschaftlich belegt sind: Reduktion des schlechten LDL-Cholesterins, Erhöhung des guten HDL-Cholesterins, Verbesserung der Gefäßflexibilität, und bessere Mikrozirkulation in der Haut. Auch die Schlafqualität verbessert sich und nach Operationen regeneriert der Körper schneller.

Anti-Aging auch ab 70 möglich

Im Alter von 70 Jahren ist STH bei jedem zweiten Menschen schon extrem reduziert. Das Erstaunliche: Auch in diesem Alter sind Hormonwerte wie bei 30 Jahre jüngeren Vergleichspersonen möglich. Simone Homm: „Ein von der Natur gezielt und exakt gesteuerter Hormonrückgang existiert also nicht.“

 Die Liste der möglichen Folgen eines Wachstumshormonmangels ist lang: Fettleibigkeit, Herzschwäche, Cholesterinanstieg, Muskelschwund, Knochenschwund (Osteoporose), Diabetes, Infarkt etc.

DHEA: Übergeordnete Steuerinstanz für andere Hormone

Eine ganz besondere Rolle kommt dem Nebennierenhormon DHEA zu. Es ist „eine Art übergeordnete Steuerinstanz für andere Hormone“, sagt Simone Homm. Zu diesen Hormonen gehören zum Beispiel auch Östrogene und Androgene. Etwa 70 Prozent der Östrogene der Frau – nach der Menopause sogar 100 % und etwa 50 % der Androgene des Mannes, entstehen ganz unmittelbar aus DHEA.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde das Nebennierenhormon noch vielfach als reines Modehormon der Anti-Aging-Bewegung abgetan. Simone Homm: „Inzwischen sind viele seiner Wirkungen gut erforscht.“

So habe DHEA ganz unmittelbare Bedeutung für die Gesundheit von Herz und Kreislauf und die Funktionsfähigkeit einer ganzen Reihe von Stoffwechselvorgängen im Gehirn. „Weil es die Verfügbarkeit anderer Hormone beeinflusst, nimmt es eine zentrale Stellung im Konzert der natürlichen Botenstoffe ein“, so die Medizinerin.

Melatonin hemmt das Wachstum von Tumoren

 Bekannter ist hingegen das Hormon Melatonin, für das die Zirbeldrüse im Gehirn zuständig ist. Es reguliert nicht nur das Schlafverhalten, sondern steuert elementare Körpervorgänge.

Depressive Menschen haben typischerweise erniedrigte Melatoninspiegel. Melatonin übt aber auch eine unmittelbar wachstumshemmende Wirkung auf verschiedene Tumorzellarten aus, stärkt und aktiviert das Immunsystem. Darüber hinaus sind „Melatoninmoleküle außerst effektive Antioxidantien. Melatonin reduziert sowohl die Bildung als auch das Schadenspotential verschiedener Radikale“, sagt Simone Homm.

Das Problem von Melatonin und vielen anderen Hormonen ist: „Je älter wir werden, desto weniger können sie ihre Aufgaben erfüllen, weil sie dem Körper nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen“, sagt Simone Homm.

Was also tun, wenn mit dem vierten Lebensjahrzehnt (und oft schon früher) viele Hormone sich langsam wieder verabschieden und von Jahr zu Jahr in geringeren Konzentrationen den Körper durchfluten?

Hormonsubstitution ist der eine Weg. Wer den nicht gehen will, kann auf vielen anderen Wegen den körpereigenen Hormonhaushalt verbessern. Mehr zu diesem Themen auf den folgenden Seiten.
 

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