Antibakterielle Reinigungsmittel vertreiben keine Krankheiten

Wissenschaftler halten Desinfektionsmittel im Haushalt für überflüssig

In der kalten Jahreszeit, aber spätestens mit dem Auftauchen von Grippewellen, wittern die Hersteller antibakterieller Reinigungsmittel aller Art ihre Chance. Dann wird in Pressemitteilungen und Werbespots die bakterientötende Wirkung ihrer Produkte gepriesen. Doch die entscheidende Frage, ob man durch ihren Einsatz wirklich seltener krank wird, bleibt unbeantwortet. Dabei haben Wissenschaftler schon längst eine Antwort gefunden.

 Bakterien sind schlecht. Und somit sind Antibakterienmittel gut. So schlicht, aber wirksam, ist der Gedankengang, mit dem die Hersteller solcher Substanzen schon seit Jahren (erfolgreich) auf Kundenfang gehen.

Dabei sollten diese Firmen eigentlich ein ganz großes Problem haben: Es gibt nämlich keine einzige Studie, die einen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch solcher Mittel im Haushalt und dem Auftreten zum Beispiel von Erkältungs- und anderen Krankheiten sieht.

Antibakterielle Reinigungsmittel vertreiben keine Krankheiten

Erstmalig hatten sich US-Wissenschaftler vor gut zehn Jahren mit dieser Frage beschäftigt. Mehrere hundert Haushalte wurden für 48 Wochen unter die Lupe genommen: Die eine Hälfte durfte antibakterielle Reinigungsmittel benutzen. Die andere Hälfte musste mit Seife und Reinigungsmitteln ohne antibakterielle Zusätze auskommen. In dem Untersuchungszeitraum wurden natürlich in vielen Haushalten Familienmitglieder krank. Auf der „Tagesordnung“ standen Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Aber auch Fieber, Übelkeit und Durchfall registrierten die Wissenschaftler.

Und gab es nun irgendwelche Unterschiede zwischen den zwei Gruppen? Nein! Weder bei der Häufigkeit noch bei der Art der Erkrankungen sahen die Wissenschaftler irgendeine Auffälligkeit, die man mit dem Gebrauch der antibakteriellen Mittel in Zusammenhang hätte bringen können.

Auch keine Wirksamkeit bei Hand-Desinfektionsmitteln

Auch bei einer ähnlichen vor gut drei Jahren durchgeführten US-Studie mit über 500 Haushalten war aus Sicht der Hersteller antibakterieller Reinigungsmittel das Ergebnis enttäuschend. Diese Studie dauerte fast zwei Jahre. Dabei sollte insbesondere die Wirksamkeit von Hand-Desinfektionsmitteln überprüft werden. Aber auch hier zeigte sich kein zusätzlicher Nutzen. An der Häufigkeit von Krankheiten hatte sich nichts geänderte.

Den Kopf in den Sand stecken die Firmen deshalb noch lange nicht, die Herstellung solcher Produkte müssen sie nicht stoppen. Wieso auch, es gibt ja noch das „99-Prozent-Argument“. Fast auf jeder zweiten Verpackung findet man es in irgendeiner Form: „Beseitigt 99 Prozent aller Bakterien“.

Es ist nicht sinnvoll, alle Bakterien von der Hautoberfläche zu entfernen

Und das mag noch nicht mal gelogen sein. Es stimmt aber nur für eine kurze Zeitspanne nach der Verwendung, zum Beispiel nach dem Händewaschen. Kaum hat man irgend etwas angefasst, kleben diese „Kleinlebewesen“ wieder auf der Handfläche. Aber ist es überhaupt sinnvoll unter normalen Lebensumständen permanent fast alle Bakterien von der Hautoberfläche zu entfernen?

 Nein, sagt zum Beispiel das Robert-Koch-Institut. Es bestehe nämlich die Gefahr, dass auf diesem Weg auf der Hautoberfläche Bakterien mit Resistenzen entstehen, gegen die dann Antibiotika nicht mehr wirksam sind.

Hand-Desinfektion: schlicht überflüssig und ohne Nutzen

Was in Krankhäusern sinnvoll ist – nämlich das gründliche und minutenlange Einreiben der Hände mit starken Desinfektionsmitteln – ist im Haushalt schlicht überflüssig und ohne Nutzen, wie die US-Studien gezeigt haben. „In der Regel reichen die Konzentration und die Einwirkdauer der antibakteriellen Substanzen für eine effektive Desinfektion“ auch gar nicht aus, so das Robert-Koch-Institut.

Desinfektionsmittel in Seen und Flüssen

Der massenhafte Gebrauch solcher Mittel hat noch ganz andere Folgen: Sie sind unter Umweltschutzaspekten bedenklich. Denn einige dieser Chemikalien können die Reinigungsleistung der Kläranlagen verringern. Später gelangen dann die Schadstoffe in Seen und Flüsse und schädigen dort lebende Organismen und Fische.

Tipps für den Schutz von Bakterien und anderen Krankheitserregern

  •  Die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Bakterieninfektionen zum Beispiel durch Salmonellen, Campylobacter oder EHEC (können zu Durchfallerkrankungen führen) ist gründliches Händewaschen mit „normaler“ Seife, besonders nach dem Toilettenbesuch.
  • Auch in der Küche können einfache Regeln helfen: Die Zubereitung von rohem Fleisch – insbesondere, wenn die Teile noch blutig sind (Auftauwasser!) strickt von anderen Küchenarbeiten trennen. Also erst das Hähnchen bratfertig machen, dann Werkzeuge, Arbeitsflächen und Hände reinigen und danach zum Beispiel mit der Zubereitung des Salats beginnen.
  • Tücher und Lappen nach Gebrauch reinigen und trocknen lassen und regelmäßig waschen. Nicht erst warten, bis sie unangenehm riechen.
  • Bürsten aus Kunststoff werden in der Spülmaschine wieder sauber.
  • Zum Problem wird oft der Kühlschrank: Er sollte regelmäßig mit Essigreiniger gesäubert werden.

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