Aromen für den guten Geschmack: mal natürlich, mal naturidentisch

Erdbeergeschmack aus Holzabfällen, Himbeergeschmack aus Zedernholz

Ohne Aromen kein Geschmack. Über Jahrtausende war klar: Wer mehr Geschmack im Essen haben will, muss würzen, z. B. mit Salz oder Kräutern. Doch seit Chemiker entdeckt haben, dass Geschmack auch künstlich erzeugt werden kann, braucht man für diese neuen Aromen neue Bezeichnungen. Die müssen auf der Verpackung der „aufgewerteten“ Nahrungsmittel auch genannt werden, ansonsten wäre es ja Verbrauchertäuschung.

Aber weil das Wort „künstlich“ irgendwie nicht zu „Essen“ passt, musste man sich Begriffe einfallen lassen, die den Anschein erwecken, als sei alles – trotz viel Chemie – ganz natürlich und unverfälscht. Nur keine Unruhe erzeugen, so die Devise. Wenn sich schon jemand die Mühe macht und das Kleingedruckte auf der Verpackung durchliest, dann soll er keinen Schreck bekommen. Und wie macht man das? Ganz einfach: Aromen, die in den Laboren der Lebensmittelchemiker entstanden sind, werden nicht „künstlich“ sondern „natürlich“ genannt. Man muss nur dreist genug sein und sich irgendeine verquere Begründung ausdenken (dafür gibt es Marketing- und Rechtsabteilungen), dann geht das.

Himbeeraroma aus Zedernholz

In dickleibigen Büchern, die kein Durchschnittsverbraucher (und garantiert auch nur wenige Politiker) je in der Hand gehalten geschweige denn gelesen haben, ist das Wort einfach neu definiert worden. Im Codex Alimentarius, ein international geltendes Regelwerk für die Herstellung von Lebensmitteln, heißt es, dass natürliche Aromen Substanzen sind, die auf „physikalischem, mikrobiologischem oder enzymatischem“ Weg aus Materialien „pflanzlichen oder tierischen Ursprungs“ gewonnen werden. Und so wird dann Suppenhuhngeschmack oder Erdbeeraroma aus irgendwelchen Holzabfällen (Natur!) extrahiert oder Himbeeraroma aus Zedernholz gezaubert. In allen Fällen darf das Ergebnis „natürliches Aroma“ genannt werden. So werden Verbraucher in die Irre geführt.

Bioerzeugnisse: „Natürliche“ Aromastoffe sind zulässig, nur gentechnisch dürfen sie nicht hergestellt sein

Ähnlich trickreich ist es mit den „naturidentischen Aromen“. Die Bezeichnung („identisch“) liegt sprachlich gefühlt noch dichter an der Natur. Aber das Gefühl täuscht. Ganz das Gegenteil ist der Fall: Hier müssen noch nicht einmal Holzabfälle oder Tierbestandteile genommen werden. Naturidentische Aromastoffe haben lediglich ein natürliches Vorbild in der Natur, werden aber zu 100 Prozent synthetisch hergestellt.

Und wenn es auf der Verpackung ganz kurz und knapp „Aroma“ heißt? Auch dann ist es in jedem Fall ein künstlicher Zusatz. Der Produzent will nur nicht verraten, womit er sein Produkt geschmacklich aufgepeppt hat.

Bioerzeugnisse: „Natürliche“ Aromastoffe sind zulässig

Bei den Herstellern von Biowaren ist es alles noch ein bisschen komplizierter. Bei Bioerzeugnissen nach EU-Standard sind „natürliche“ Aromastoffe zulässig, nur gentechnisch dürfen sie nicht hergestellt sein. Inwieweit Gentechnik bei der Produktion von Aromen für konventionelle Produkte zum Einsatz kommt, ist nicht bekannt.

Demeter noch strenger: Nein zu Aromen

Demeter-Hersteller hingegen sagen in Gänze Nein zu Aromen. Erlaubt sind hingegen Aromaextrakte. Das sind Stoffgemische, die aus den namensgebenden Rohstoffen mit Hilfe von Wasser, Alkohol oder Öl herausgelöst wurden.

So wird Vanille-Extrakt aus Vanilleschoten gewonnen, etwas anderes ist nicht zulässig. Zitronen- oder Orangenöl wird aus den jeweiligen Fruchtschalen extrahiert. →nächster Bericht

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