Fasten: Die Selbstheilungskräfte anregen und den Körper verjüngen

Durch Fasten lässt sich das biologische Alter vor das kalendarische Alter ziehen

Wir leben im Nahrungsüberfluss – doch immer mehr Menschen lernen den kurzzeitigen Nahrungsentzug zu schätzen. Denn mit Fasten verliert man nicht nur Pfunde. Fasten ist auch gesund: Die Selbstheilungskräfte werden angeregt und der Körper wird verjüngt.

Für den Organismus ist Fasten ein Signal an die natürlichen Selbstheilungskräfte  – sie werden angeregt. Die angestoßenen biochemischen Vorgänge sind eine Art Selbstmedikation für den gesamten Körper. Am Helios Klinikum in Berlin wurde schon vor Jahren mit wissenschaftlichen Methoden festgestellt, dass Fasten den Körper verjüngt – und zwar um Jahre. Bei einer Studie mit 50 übergewichtigen Patienten (28 Männer und 22 Frauen) lag das Durchschnittsalter bei 52 Jahren.

Das kalendarische Alter ist nicht das biologische Alter

Vor dem Fasten absolvierten alle einen sogenannten Vitalitätstest. Bei diesem Test werden 47 verschiedene Messwerte erhoben: u.a. Blutdruck, Trainingszustand, Sauerstoffversorgung und Sehvermögen. Aber auch die optische und akustische Reaktionsfähigkeit, Konzentrations- und Orientierungsvermögen sowie andere Tests werden absolviert. Aus den erhobenen Werten wird dann das sogenannte Funktionsalter (auch biologisches Alter genannt) ermittelt. Solange dieses Alter in etwa dem kalendarischen Alter entspricht, ist alles in Ordnung. Doch bei den meisten Teilnehmern lag das biologische Alter mal mehr, mal weniger über dem kalendarischen Alter – im Schnitt drei Jahre darüber (55 Jahre). Es gab auch gravierende Ausreißer: Bei einer Frau, 46 Jahre alt, ermittelten die Ärzte mit dem Vitalitätstest ein biologisches Alter von 58 Jahren. Ihr körperlicher und geistiger Zustand lag also auf dem Niveau einer gesunden 12 Jahre älteren Frau.

Nach dem Fasten: Biologisches Alter hat sich um fünf Jahre verringert

Nach drei Wochen Fasten in der Berliner Klinik wurde der Vitalitätstest bei allen Teilnehmern wiederholt. Das Ergebnis zeigt, wie sich ein Körper verjüngen lässt: Der Durchschnittswert des biologischen Alters hatte sich um fünf Jahre verringert; er lag jetzt bei 50 Jahren und damit zwei Jahre unter dem kalendarischen Durchschnittsalter. Noch stärker verjüngte sich der Organismus bei der eben erwähnten Teilnehmerin. Sie machte mit ihrem biologischen Alter einen Sprung von 10 Jahren nach hinten und kam auf 48 Jahre. 49 der 50 Fastenteilnehmer konnten ihr biologisches Alter verbessern. Nur bei einem einzigen Teilnehmer tat sich nichts. Im Gegenteil: Nach dem Fasten war sein biologisches Alter aus unbekannten Gründen um ein Jahr nach oben geklettert.

Ernährung von innen

Welche Vorgänge im Einzelnen ablaufen, wenn Selbstheilungskräfte im Körper angeregt werden, ist zwar immer noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Doch die auslösenden Faktoren sind mittlerweile bekannt. Der wichtigste ist die Umstellung der „Ernährung von außen“ auf die „Ernährung von innen“. Wenn wir essen, sind Zucker (Glukose) und Fett unsere Kraftstoffe. Beim Fasten kommen die notwendigen Kalorien aus den Fettzellen. In der Praxis heißt das: Übergewichtige Menschen können länger fasten als Normalgewichtige. Letztere haben Reserven für zirka 40 Tage Fasten – zumindest in der Theorie. Eine Besonderheit ist die Versorgung des Gehirns. Es braucht an den ersten Fastentagen Glukose – deshalb die Säfte. Erst später stellt es auf Fettverbrennung um.

Wie Fasten den Körper verjüngt

Die Wirkungen des Fastens machen sich schon wenige Tage nach Beginn bemerkbar:

  1. Der Blutdruck sinkt, es wird ein niedriger Normwert erreicht (bei zu hohem Blutdruck); Durchblutungsstörungen gehen zurück.
  2. Der Fettabbau beginnt, die Fettzellen entleeren sich langsam aber kontinuierlich.
  3. Überhöhte Blutfettwerte normalisieren sich, auch krankhaft veränderte Leberwerte verbessern sich und Gefäßablagerungen bilden sich zurück.
  4. Die Fließeigenschaften des Blutes verbessern sich erwiesenermaßen und die Neigung zu Thrombosen geht zurück.
  5. Insbesondere die Ruhigstellung des Darms vermindert messbar entzündlich ablaufende Prozesse. So ist durch etliche Untersuchungen belegt, dass Fasten rheumatoide Arthritis verbessert. Aber auch Entzündungsprozesse, die chronisch und unbemerkt ablaufen und von vielen Medizinern als Teil der „natürlichen“ Alterung begriffen werden, gehen zurück.

Hunger schützt das Immunsystem

Wissenschaftler der Universität Bonn haben kürzlich einen Baustein zum Verständnis dieser Vorgänge entdeckt. Sie fanden heraus, dass der Körper in Hungersituationen vermehrt sogenannte Peptide (Abwehrproteine) ausschüttet, die einen zusätzlichen Schutz für das Immunsystem darstellen. Der Mechanismus geht so: Wenn wir längere Zeit nichts gegessen haben, sinkt das Energieniveau der Zellen und damit auch die Insulinmenge. Das ist das Signal für den Körper, die Abwehrproteine einzuschalten. Sie werden aus den Körperzellen ausgeschleust und zerstören mögliche Krankmacher, indem sie deren Zellwände auflösen. „Das findet jeden Tag zu jeder Minute statt“, so Studienleiter Prof. Michael Hoch. In Hungersituationen, die für die Körperzellen Stress bedeuten, schütte der Körper vorsichtshalber vermehrt antimikrobielle Peptide aus.

Prof. Gerald Huether: Fasten bessert die regulatorische Potenz des Organismus

Dass es einen Zusammenhang zwischen dem Nahrungsangebot und der immunologischen Abwehr gibt, weiß man schon seit längerem: Untersuchungen mit Fadenwürmern, Fruchtfliegen und Mäusen haben gezeigt, dass eine reduzierte Kalorienaufnahme die Lebensspanne der Lebewesen verlängern kann. Unklar ist aber immer noch, inwieweit und in welchem Ausmaß solche Mechanismen auch beim Menschen wirken. Doch der Neurobiologe Prof. Gerald Huether vermutet genau das: Fasten führt „zur Verbesserung der regulatorischen Potenz des Organismus“ und trägt „auf diese Weise zur Gesunderhaltung und Verlängerung der Lebensspanne nicht nur von Versuchstieren bei.“

Fastenbedingter Abbau von Eiweiß verbessert die Mikrozirkulation

Häufig kontrovers diskutiert wird die Rolle des körpereigenen Eiweißes unter Fastenbedingungen. Während manche Mediziner den Abbau von Eiweiß kritisch sehen und auf den Eiweißverlust zum Beispiel im Herzmuskel verweisen, sehen Fastenbefürworter diese anfängliche Tendenz positiv. Die Ärztin Francoise Wilhelmi de Toledo: „In der Naturheilkunde sieht man in dem geringen fastenbedingten Eiweißverbrauch die Chance, auch alte, pathologische und entbehrliche Eiweißstrukturen oder -moleküle mit zu verstoffwechseln und dadurch Zellen und Bindegewebe davon zu befreien.“ Die Folge: Die Mikrozirkulation, der Gas- und Nährstoffaustausch zwischen Blut und Zelle, verbessert sich.

Zuerst erschienen in der Zeitschrift feminin & fit

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