Filtersubstanzen aus Sonnencreme in der Milch stillender Mütter

 Bei Tierversuchen: Krankhafte Veränderungen an den Geschlechtsorganen

Sie werden millionenfach in jedem Sommer auf die Haut gecremt und sind trotzdem hochproblematisch – Sonnencreme mit chemischen Schutzfiltern. Wissenschaftler haben zeigen können, dass viele Substanzen in den menschlichen Hormon-Haushalt eingreifen können. Sie wirken zum Teil wie Östrogene (weibliche Hormone) und haben darüber hinaus noch andere unerwünschte Wirkungen.

Sonnenschutzfilter in Sonnencreme bleiben nicht nur auf der Haut

So hat sich zum Beispiel die Wissenschaftlerin Christiane Schlecht mit den Auswirkungen eines UV-Filters (Benzophenon-2) aus der Gruppe der Benzophenone beschäftigt, die häufig in Sonnenschutzprodukten zu finden ist. Ihr Fazit: Benzophenon-2 besitzt eine östrogen-ähnliche Aktivität und ist eine „aktive Chemikalie“, die in die inneren Vorgänge des Körpers eingreift und nicht nur auf der Haut bleibt. Gleichzeitig wirkt der Stoff „antiandrogen“ und geht somit zulasten der männlichen Geschlechtshormone. Auch negative Auswirkungen auf die Schilddrüsenfunktionen sind sicher. Bekannt sind auch verstärkende Kombi-Effekte mit anderen chemischen Schutzfiltern.

Zulässige Höchstgrenze schon weit überschritten

Noch völlig offen ist, ab welcher Menge die Substanzen schädlich sein können. Sicher ist nur: Wenn wissenschaftlich begründete Risikogrenzen berücksichtigt werden, dann ist nach Berechnungen von Christiane Schlecht die zulässige Höchstgrenze für Benzophenon-2, der als Filtersubstanz in Sonnencreme vorkommt, pro Kilogramm Körpergewicht schon weit überschritten.

Ihre Arbeit stützt auch die Vermutung, dass solche hormonähnlichen Substanzen „für Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit“ verantwortlich sein können. Insbesondere Kinder gehören zu der Gruppe, „die mit einem Effekt rechnen muss“.

Schutzfilter aus Sonnencreme auch in der Milch stillender Mütter

Durch neue Studien steht mittlerweile auch fest: chemische Lichtschutzfilter finden sich auch in der Milch stillender Mütter – und zwar in sehr hohen Konzentrationen, wie kürzlich auf einem Wissenschaftlertreffen in Dresden bekannt wurde. So geht Margret Schlumpf von der Universität Zürich davon aus, dass die Belastung des Menschen mit diesen Substanzen hauptsächlich durch den Gebrauch von Sonnencreme und Kosmetika (zum Beispiel Lippenstift) erfolgt.

Bei Tierversuchen mit in Europa zugelassenen Filtersubstanzen zeigten sich bei Neugeborenen unter anderem krankhafte Veränderungen an den Geschlechtsorganen. Darüber hinaus verglichen die Wissenschaftler die Konzentration der Sonnenschutzfilter in der Milch stillender Mütter mit den Werten, die bei den Tierversuchen ermittelt wurden.

Das erschreckende Ergebnis: Die gemessene Konzentration der Filtersubstanzen in der Muttermilch war gerade einmal um den Faktor 11 geringer. Die Wissenschaftler sprechen von einem „knappen Sicherheitsabstand“. Ihre dringende Empfehlung: In der Schwangerschaft und der Stillperiode sollte der Kosmetikverbrauch eingeschränkt oder nur „kosmetische Produkte ohne synthetische Chemikalien mit hormonähnlicher Wirkung“ verwendet werden.
 

 

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