Fit auf der Vibrationsplatte? Schwingungen mit Nebenwirkungen

Experten warnen vor Gefahren für die Gesundheit

Selbst bewegen war gestern. Heute lässt man sich bewegen. In immer mehr Fitness-Studios stehen Vibrationsplatten. Denn die Nachfrage nach dem scheinbaren Fitnessgewinn ohne Anstrengung wächst. Ärgerlich nur, dass Sportmediziner diese Rüttelgeräte gar nicht so positiv sehen und auf mögliche Nebenwirkungen hinweisen.

 Das Prinzip einer Vibrationsplatte ist schnell erklärt: Die Fläche, auf der man steht, sitzt, liegt oder Fitness-Übungen macht, vibriert. Und diese Vibrationen lassen die Muskeln aktiv werden – sie dehnen sich und ziehen sich wieder zusammen. Und das alles mit hoher Geschwindigkeit. Deshalb kann man auch schneller als sonst üblich seine Muskeln trainieren. Was natürlich für Menschen mit wenig Zeit ein überzeugendes Argument für eine solche Vibrationsplatte ist.

Doch nicht nur mehr Muskeln in kürzerer Zeit kann man sich erarbeiten lassen. Auch zur Schulung des Gleichgewichts und zur Verbesserung der Koordination sollen die Geräte geeignet sein.

Vibrationsplatten für "Prävention, Rehabilitation, Leistungssport und Beauty"

Je nach Hersteller können sie in unterschiedlichen Frequenzbereichen vibrieren und auch die Stärke der Plattenbewegung ist regelbar. Eingesetzt werden kann so ein Gerät im Bereich von „Prävention, Rehabilitation, Leistungssport und Beauty“, schreibt Power Plate, einer der vielen Hersteller von Vibrationsplatten, auf seiner Internet-Seite.

Fast scheint es, als habe man es mit einem Wundergerät zu tun, das die Quadratur des Kreises möglich macht: Menschen, die sich nicht bewegen wollen, schon nach wenigen Übungseinheiten fit zu machen wie einen Turnschuh . . .

Professor Dr. Vladimir Nazarov: Kraftentwicklung drei- bis viermal schneller

In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die ersten Erfahrungen mit Vibrationsplatten gemacht. Es war der russische Professor Dr. Vladimir Nazarov, der das erste Gerät dieser Art baute. Er hatte entdeckt, dass die Kraftentwicklung drei- bis viermal schneller als mit gewöhnlichen Trainingsmethoden verlief. Und noch ein Argument wiederholen die Hersteller immer wieder gerne: Es lassen sich mit den Platten viel mehr Muskeln auf einmal stimulieren. Wenn viele Muskeln gekräftigt werden, dann wird auch mehr Energie verbrannt.  Weshalb diese Geräte auch beim Abnehmen helfen sollen, wofür auch die Ergebnisse einer Studie sprechen.

Seit ihrer „Entdeckung“ wird mit Vibrationsplatten viel geforscht. Doch leider widersprechen sich die Ergebnisse häufig. Was auch damit zusammenhängt, dass bis heute gar nicht feststeht, welche Arten von Vibrationen mit welchen Wirkungen für den Körper verbunden sind. Denn je nach Art und Anzahl der Schwingungen pro Sekunde aktiviert man Körperregionen ganz unterschiedlich.

Vibrationsplatte mit sanften Schwingungen zur Behandlung von Osteoporose eignet

Während zum Beispiel der Schweizer Physiotherpeut Ulrich Hänsenberger darauf hinweist, dass das Training auf Vibrationsplatten dann problematisch werden kann, wenn bereits Vorschädigungen des Knorpels vorhanden sind, halten das andere Experten für übertrieben.

Es kann auch durchaus sein, dass sich ein Gerät mit sanften Schwingungen zur Behandlung von Osteoporose eignet; andere Geräte mit anderen Schwingungsmustern hingegen lockern die Knochenstruktur noch weiter und fördern Osteoporose.

Das ist auch einer der Gründe, warum zum Beispiel Clinton Rubin  von der Universität New York die Vibrationsplatten-Euphorie mit Sorge beobachtet. „Ich denke, man übersieht hier die Gefahr der regelmäßigen Nutzung“, so der Experte in einem Interview.

Einig sind sich viele Experten aber trotzdem zumindest in einem Punkt: Wer sich solchen Vibrationen aussetzt, sollte über eine gute Körperspannung und ein gesundes Bewegungsgefühl verfügen.

Gefahr: Schwingungen einer Vibrationsplatte können die Gelenke und Kopfregion belasten

Denn nur mit fitten Muskeln können die Bewegungsimpulse abgefedert werden. Ansonsten besteht nämlich die Gefahr, dass die Schwingungen die Gelenke und – noch problematischer – die Kopfregion belasten. Mögliche Gefahren: Die Netzhaut kann sich ablösen oder Nierensteine fangen an zu wandern.

Und was heißt das in der Praxis? Wer seit Jahren oder Jahrzehnten keinen Sport mehr betrieben hat, für den sollten solche Platten tabu sein. Der Rat von Experten lautet daher: Couchpotatoes müssen sich zuerst mit Kniebeugen und Liegestützen Muskeln antrainieren.

Und damit dürfte für viele der Traum vom bewegungslosen Fitness-Training ausgeträumt sein. Zugegeben – irgendwie ist das schade.

Wichtige Hinweise: Wer sich auf keinen Fall auf eine Vibrationsplatte stellen sollte

Gefahren lauern bei folgenden Erkrankungen und Beschwerden:

  1. akute Erkrankungen / entzündliche Prozesse
  2. Thrombose und Thrombosegefahr
  3. Stents und Bypässe
  4. höhergradige Osteoporose mit Frakturen
  5. (unbehandelter) Bluthochdruck
  6. Arthrose
  7. Gallen- und Nierensteine

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