Floradix. Aber wer braucht eigentlich Eisenpräparate?

TV-Spot unter der Lupe

 Frühjahrsmüde? Schluss mit Schlapp. Bei erhöhtem Eisenbedarf – Floradix mit Eisen. Das Eisen mit wertvollen Kräutern.“Floradix. Aber wer braucht eigentlich Eisenpräparate? In dem unterhaltsamen Werbespot kann sich eine junge Frau kaum mehr auf den Beinen halten und schläft mitten auf einer Wiese ein. Sogar ihr bellender und an der Leine ziehender Hund kann daran nichts ändern. Erst ein Schluck Kräuterblut weckt ihre Lebensgeister . . .

Die Botschaft ist klar. Nur stimmt sie überhaupt? Sollte man Frühjahrsmüdigkeit auf Eisenmangel zurückführen? Wahr ist: Bei Eisenmangel steht an erster Stelle der Symptome Müdigkeit. Aber der Umkehrschluss, dass Frühjahrsmüdigkeit meistens die Folge von Eisenmangel ist, stimmt nicht.

Ist die Menstruation eine behandlungsbedürftige Krankheit?

Aber vielleicht meint das der Hersteller ja auch nicht so ernst mit der Frühjahrsmüdigkeit, denn in der Gebrauchsinformation ist davon gar keine Rede mehr. Da heißt es vielmehr, dass ein erhöhter Eisenbedarf „insbesondere bei erhöhtem Eisenverlust, z. B. bei der Menstruation“ besteht. Schwangerschaft, Stillzeit und die Erholungszeit nach Krankheiten werden ebenfalls erwähnt.

 Auch wenn viele Pharmafirmen die Menstruation gerne zu einer behandlungsbedürftigen Krankheit erklären würden – trotz monatlichem Blutverlust hat die Natur es natürlich so eingerichtet, dass die meisten Frauen auch ohne Floradix und ähnliche Präparate gut zurecht kommen: Der Organismus erhöht ganz einfach die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung – von zehn Prozent auf 20 bis 25 Prozent. Außer bei sehr starken und langanhaltenden Blutungen kann es zum Eisenmangel kommen – aber der sollte nicht per Selbstmedikation behandelt werden.

Eisenhaltige Nahrung – für Vegetarier häufig ein Problem

Damit der Körper Eisen aufnehmen kann, muss die Nahrung eisenhaltig sein. Das ist bei Vegetariern häufig ein Problem, da Eisen insbesondere in Innereien und Fleisch enthalten ist. Auch wenn pflanzliches Eisen, das zum Beispiel in Kürbiskernen, Hirse, Bohnen und Erbsen steckt, schlechter vom Organismus aufgenommen wird, kann die Ausbeute durch die Kombination mit anderen Nahrungsmitteln erhöht werden.

Sind Eisenpräparate, wenn sie schon in der Regel nicht als Nahrungsergänzungsmittel notwendig sind, zumindest harmlos?

Nein, sagt das Bundesamt für Risikobewertung (BfR). Dort sieht man vielmehr einen Zusammenhang zwischen einer möglichen „Eisenüberladung des Organismus und der Entstehung von chronischen Erkrankungen“.

Erwähnt werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes. Zwar fehlen noch letzte Beweise, aber sicher ist man sich, dass „negative Wirkungen nicht ausgeschlossen werden können“, so das BfR in einer Stellungnahme. Das Resümee der Wissenschaftler: „Die Einnahme von eisenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln sollte nur bei nachgewiesenem Eisenmangel und nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.“

(aus feminin & fit, Ausgabe 3/2013)
 

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