Frauen und guter Sex: Mehr Mut zum Experiment. Entdecken Sie Ihre Lustzonen

Glaubt man aktuellen Daten aus der Forschung, dann scheint das Sexualleben der Deutschen ziemlich problemlos zu sein. Das legen zumindest Umfragen der Forschungsstelle für Sexualwissenschaft und Sexualpädagogik der Universität Koblenz-Landau nahe. Für die große Mehrheit der 2400 befragten Männer und Frauen (60%) sind Schmusen, Küssen, Zärtlichkeiten und Petting am wichtigsten. Sex rangiert erst an zweiter Stelle (37%). Fast 60 Prozent gaben an, einmal oder mehrmals pro Woche Geschlechtsverkehr zu haben.

 

 

Tabuthema: Sexuelle Störungen bei Frauen

Doch es gibt auch andere Statistiken, die zeigen, dass Sexualität alles andere als unproblematisch ist. Da sind zum Beispiel sexuelle Störungen bei Frauen:

  • 14 Prozent der Frauen leiden unter Erregungsstörungen,
  • 27 Prozent kennen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, davon 8 Prozent regelmäßig,
  • 27 Prozent haben schon einen Scheidenkrampf erlebt, 8 Prozent leiden darunter regelmäßig,
  • 25 Prozent erleben nie oder nur selten einen Orgasmus beim Geschlechtsverkehr, 19 Prozent gelegentlich, 12% häufig, 43% meistens oder fast immer.
  • Etwa 5 bis 10 Prozent haben weder beim Geschlechtsverkehr noch beim Streicheln der Klitoris je einen Orgasmus erlebt.

Eine weitere Untersuchung ergab, dass 26 Prozent der Erwachsenen in den letzten zwölf Monaten keinen Geschlechtsverkehr hatten. Bei den Befragten unter 40 Jahren hatten rund 8 Prozent der Verheirateten und 96 Prozent der Alleinstehenden keinen Geschlechtsverkehr.

Sexualität ein sehr empfindlicher und störungsanfälliger Bereich

„Diese Statistiken zeigen, dass sexuelle Probleme keine Ausnahmeerscheinung sind", sagt Diana Ecker, Sexualtherapeutin und Buchautorin aus Bad Dürckheim. Für sie stellt sich vielmehr die Frage, „warum das Bild von Sexualität in der Öffentlichkeit nicht wirklichkeitsgetreu wiedergegeben wird, so, wie es viele empfinden: Dass Sexualität ein sehr empfindlicher und störungsanfälliger Bereich ist.“

Die Ursachen sexueller Störungen sind vielfältig. Dazu gehören falsche oder überzogene Vorstellungen über Sexualität, mit denen man sich selbst und seinen Partner unter Druck setzt. Ängste und Scham spielen auch eine nicht unwesentliche Rolle. Aber auch prall gefüllte Terminkalender verhindern oft das Aufkommen einer erotischen Atmosphäre. Sexualität wird in einer solchen stressigen Lebensumwelt schnell zu einer unbefriedigenden Pflichtübung.

Schlecht für guten Sex: Sprachlosigkeit im Bett und in der Beziehung

Mit zu den wichtigsten Gründen zählt auch die Sprachlosigkeit - in der gemeinsamen Beziehung und im Bett. Über ein so persönliches Thema wie Sexualität zu sprechen, verlangt viel gegenseitiges Vertrauen. Das Sprechen „über“ und auch das Sprechen „während“ man „es“ tut hat in vielen Beziehungen Seltenheitswert. „Dabei sind Gespräche über die beiderseitigen sexuellen Wünsche und Ängste zur Vermeidung von Enttäuschungen wichtig“, sagt die Sexualtherapeutin.

In ihrem Buch „Aphrodites Töchter. Wie Frauen zu erfüllter Sexualität finden“ schlägt Diana Ecker folgende Übung zur direkten Kommunikation sexueller Wünsche vor: „Beginnen Sie Ihre Sätze wie folgt: ‘Ich wünsche mir ...’ . Formulieren Sie zwischen fünf bis zehn Wünsche, während der andere nur zuhört. Tauschen Sie dann die Rollen. Sprechen Sie bitte im Anschluss darüber, welche Wünsche Sie dem anderen erfüllen wollen und können und welche nicht.

Experimentieren Sie, äußern Sie Ihre sexuellen Wünsche

Experimentieren Sie in Absprache mit dem anderen, welche Wünsche Sie gerne jetzt erfüllt haben möchten. Geben Sie Ihrem Partner dabei Rückmeldung, ob sein Vorgehen stimmig für Sie ist oder ob Sie es sich anders vorgestellt haben. Tauschen Sie nach ca. zehn Minuten die Rollen.“

Viele der Probleme, mit denen Frauen in ihrem späteren Leben zu tun haben, werden schon in jungen Jahren gelegt. Es gibt deutliche Unterschiede in der Sexualität zwischen Mädchen und Jungen. Selbstbefriedigung gilt unter Mädchen und Frauen immer noch als Tabu. Während nahezu alle Männer damit vertraut sind, ist das höchstens bei gut der Hälfte der Frauen der Fall. Diana Ecker: „Mädchen machen durch Selbstbefriedigung viele Lernerfahrungen: Was ihr gefällt, was ihr nicht gefällt, wie sie am besten zu einem Höhepunkt kommt usw.. Sie kann mit einem höheren Selbstbewußtsein ihre erste Liebesbeziehung aufnehmen als ein Mädchen, das davon abhänig ist, dass der Freund ihr zeigt, wie ‘es’ geht.“

Zentren der Lust: Ohne forschendes Suchen und Experimentieren findet man sie nicht

„Erschwerend“ kommt noch hinzu, dass wichtige sexuelle Lustzentren sich innerhalb der Scheide befinden, die ohne forschendes Suchen und Experimentieren gar nicht gefunden werden können. Am bekanntesten dürfte der sogenannte Gräfenberg-Punkt bzw. G-Punkt sein. Weitere sensible Punkte in der Scheide sind der U- und der A-Punkt. Der U-Punkt befindet sich in der Nähe des Scheidenausgangs und löst bei Berührung Harndrang aus. Der A-Punkt befindet sich dagegen in der Tiefe, zwischen G-Punkt und Muttermund. Diana Ecker: „Manche Frauen wissen schlichtweg nicht, was ihnen Lust macht und sie trauen sich auch nicht herauszufinden, worauf sie Lust haben.“ Oft unterschätzt wird auch die Aufgabe der Beckenbodenmuskulatur.

Der Beckenboden besteht aus Muskeln, deren Aufgabe es ist, Scheide, Harnröhre und After zu schließen und die Eingeweide zu stützen. Wenn der Beckenboden geschwächt ist - sei es durch Geburt oder hormonale Veränderungen in den Wechseljahren - hat das oft Auswirkungen auf die sexuellen Empfindungen.

Was die sexuelle Lust beim Geschlechtsverkehr ausmacht

In der Beckenbodenmuskulatur befinden sich viele Empfindungsnerven. Sexualtherapeutin Diana Ecker: „Frauen berichten immer wieder, wie wenig sie beim Geschlechtsverkehr empfinden können. Dies ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. In der Scheide selbst enden fast keine Empfindungsnerven. Aber die Beckenbodenmuskulatur umgibt die Scheide, kann sie wie eine Manschette zusammenziehen. Wird der Beckenboden zusammengezogen und dadurch die Scheide verengt sowie Zug und Druck durch den Penis ausgeübt, werden die empfindsamen Nervenenden stimuliert. Beides macht die sexuelle Lust beim Geschlechtsverkehr aus.“

U-Punkt, G-Punkt, A-Punkt: So finden Sie Ihre Lustzonen

Sexual-Therapeutin Diana Ecker schlägt folgendes Vorgehen vor:

Nehmen Sie sich für diese Übung cirka 20 Minuten Zeit, in denen Sie ungestört sind, und entleeren Sie vorher Ihre Blase. Suchen Sie sich einen angenehmen Platz, an dem Sie sich nackt aufhalten mögen. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf sich und Ihren Körper. Schließen Sie gegebenenfalls die Augen.

Erforschen Sie mit dem Mittelfinger das Innere Ihrer Scheide. Suchen Sie zuerst den U-Punkt, ca. 2,5 cm vom Scheideneingang entfernt. Anders als bei der Klitoris müssen Sie schon etwas fester drücken, um den U-Punkt, der unter Hautschichten verborgen liegt, zu identifizieren. Verspüren Sie dabei Harndrang, sind Sie am richtigen Ort.

Wandern Sie dann mit dem Mittelfinger weiter nach innen und begeben Sie sich auf die Suche nach dem G-Punkt. Er befindet sich etwa auf halber Strecke zur Bauchdecke hin zwischen Scheideneingang und Bauchnabel. Auch hier müssen Sie die Scheidenwand etwas fester abtasten, um ihn lokalisieren zu können.

Den A-Punkt dürften Sie mit Ihrem Mittelfinger nicht erfasten können. Er liegt zu tief in der Scheide. Bei genügend fester Stimulierung mit dem Mittelfinger können Sie am U- und G-Punkt einen Orgasmus erleben.

Diese Übung können Sie auch mit Ihrem Partner ausprobieren, indem er die Suche mit dem Finger übernimmt.

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