Geistig fit bleiben: So trainieren Sie Ihr Gehirn

Ging man bis vor einigen Jahren noch davon aus, dass das menschliche Gehirn nicht trainierbar sei, so weiß man heute: Auch die kleinen grauen Zellen können trainiert werden. Am liebsten mögen sie richtige Herausforderungen. Und das beste: Mit dem richtigen Gehirn-Jogging bleibt man geistig fit. Und es gibt wirklich erstaunlich effektive Trainingsprogramme, die wir mit vielen Beispielen hier vorstellen.

Das Gehirn des Menschen birgt noch viele Geheimnisse. Zu kompliziert und nur schwer durchschaubar sind die Abläufe im Inneren des Schädels. Doch seit Gehirnaktivitäten mit modernen Apparaten wie den Kernspintomographen sichtbar gemacht werden können, hat sich unser Wissen über die kleinen grauen Zellen grundlegend gewandelt. Denn Gehirnregionen mit erhöhten Aktivitäten lassen sich jetzt farblich darstellen. Man sieht, wo sich im Gehirn etwas tut, wenn wir denken.

Was auf den ersten Blick nur für Wissenschaftler von Interesse zu sein scheint, hat zu ganz praktischen Konsequenzen geführt. Mittlerweile wissen wir nämlich viel besser als noch vor einigen Jahren, wie wir unser Gehirn fit halten und seine Leistungsfähigkeit steigern können.

Linke Gehirnhälfte

Schon länger bekannt ist der grobe Aufbau und die Funktionsweise unseres Gehirns: Die linke Gehirnhälfte hat sich auf Aufgaben spezialisiert, die sich mit folgenden Worten umschreiben lassen: analytisch, logisch, mathematisch, verbale Intelligenz, konzentrierte Wahrnehmung.

Rechte Gehirnhälfte

Die rechte Gehirnhälfte nimmt die Welt ganzheitlich war. Hier lauten die Stichwörter zum Bespiel: passiv, formorientiert, sinnlich, praktische Intelligenz, Wahrnehmung von Mustern und synthetisch.

Emotionen, Gefühle auf der einen Seite, Logik und Vernunft auf der anderen Seite. Gerade in der westlichen Welt wird dieser Gegensatz täglich gelebt. Er zeigt sich zum Beispiel in der Organisation des Schulwesens: Musische Fächer oder Sport stehen auf der Streichliste ganz oben, wenn Schulstunden gekürzt werden. Denn diese Fächer umgibt immer noch der Hauch des Überflüssigen.

Körperliche Koordinationsfähigkeit fördert das mathematische Denkvermögen

Für Hirnforscher ist das ein Unding. Denn mittlerweile ist bekannt, dass zum Beispiel körperliche Koordinationsfähigkeit (rechte Gehirnhälfte) das mathematische Denkvermögen (linke Gehirnhälfte) fördert – und das bis ins hohe Alter.

Worauf es ankommt, ist nicht das isolierte Trainieren der einen oder anderen Seite des Gehirns ­– das langweilt die grauen Zellen ab einem gewissen Punkt – sondern das gleichzeitige und gezielte Ansprechen beider Gehirnhälften. Das erreicht man zum Beispiel mit einem aktiven und abwechslungsreichen Leben, gerade auch im Alter. So zeigt eine neuere Studie, dass geistige Aktivität das Gehirn vor Demenz schützt. Nichts anderes steckt hinter den meisten Lerntechniken. Auch sie nutzen die Erkenntnis, dass unterschiedliche Lernsituationen das Gehirn stark machen.

Geistig fit bleiben - gleichzeitig viele Sinne nutzen

„Je mehr Sinne gleichzeitig genutzt werden, umso besser nehmen wir das Neue auf und umso leichter speichern wir es ab“, sagt auch Rüdiger Gamm, der in diesen Fragen reichlich Erfahrung hat, ist er doch einer der bekanntesten Rechengenies mit einem IQ über 200.

Einfaches Beispiel: Beim Auswendiglernen hilft es oft, durch die Wohnung zu gehen und die Vokabeln oder die Texte mit Bewegung zu verbinden. Auch akustische Einflüsse über Musik können hilfreich sein. Gamm: „Es geht einfach darum, möglichst viele zusätzliche Marker an die zu erlernende Information zu binden.“

Linke und rechte Gehirnhälfte gleichzeitig ansprechen

Insbesondere der Bewegung kommt eine besondere Bedeutung zu bei der Pflege der kleinen grauen Zellen. Gut sind solche Bewegungsabläufe, die die linke und rechte Gehirnhälfte gleichzeitig ansprechen. Diese Synchronisation verhindert, dass über die Jahre eine Hälfte permanent unterfordert wird.

Beispiele: Die geistige Beweglichkeit wird bei Rechtshändern verbessert, wenn sie ab und zu mit der linken Hand schreiben.

Oder fangen Sie Bälle mit der linken statt wie üblich mit der rechten Hand. Oder spielen Sie als Rechtshänder Tischtennis mit der linken Hand.

Es gibt mittlerweile sogar verschiedene Fitness-Programme, die sich alle das Ziel gesetzt haben, das Gehirn zu trainieren und die geistige Leistungsfähigkeit zu trainieren.

Life Kinetik

Der Diplom-Sportlehrer Horst Lutz hat mit „Life Kinetik“ eine ganze Reihe von Übungen entwickelt.

  • Eine heißt „Parallelball“: Sie nehmen sich zwei kleine, schwere Bälle (z. B. Tennisbälle), in jede Hand einen, werfen sie gleichzeitig nach oben (20 bis 30 Zentimenter) und fangen sie wieder auf.
  • Wenn Sie das können, steigern Sie den Schwierigkeitsgrad: Nehmen Sie die Bälle in die Hand, überkreuzen die Arme und werfen Sie sie dann wieder in die Luft.
  • Sie können die Übung auch mit gekreuzten Beinen oder auf einem Bein stehend machen oder dabei gehen oder während des Werfens langsam in die Hocke gehen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, sie überraschen Ihr Gehirn mit ungewohnten Bewegungsabläufen, denn nur so bleibt es fit.

Brain-Gym

„Brain-Gym“ nennt Paul Dennison seine 26 Gymnastikübungen, die die Gehirnaktivität optimieren sollen. Wie schon bei Life Kinetik sind es hier ungewohnte Kreuz- und Parallelbewegungen, die das Hirn fordern.

  • Beispiel „Überkreuzbewegung“; sie wird im Stehen ausgeführt. Dennison: „Die Aufgabe besteht darin, sich so zu bewegen, dass immer ein Arm und das Bein der anderen Körperseite gleichzeitig bewegt werden.“ Anfänger beginnen am besten, indem sie im Stehen zunächst das rechte Knie hochziehen und mit der linken Hand berühren und anschließend das linke Knie mit der rechten Hand. Die Übung wird mehrmals wiederholt. Experten vermuten, dass solche Übungen die Gehirnzentren für Sprechen und Sprache aktivieren.
  • Oder probieren Sie die Beckenschaukel. Dazu setzen Sie sich auf den Boden und winkeln die Knie an und halten die Füße zusammen. Dann stützen Sie sich nach hinten mit den Händen ab, heben die Füße etwas vom Boden und massieren mit kreisförmigen Schaukelbewegungen Gesäß und Steißbein.

Auch die Hirnfrequenz ist entscheidend

Während die bisherigen Übungen generell das Gehirn fit halten, ist für gezieltes Lernen und das Aufnehmen von Wissen auch die Art der Hirnfrequenz entscheidend. Am besten lernen wir, wenn sich das Gehirn im Alpha-Zustand befindet, in einer Art Halbschlaf. Dann schwingt das Hirn in einem Bereich von 7 bis 13 Hertz. Nur in diesem entspannten Zustand können wir gut lernen.

Stress und Druck mag unser Gehirn hingegen gar nicht. Denn seit Urzeiten steht Stress für Angst, Gefahr und Flucht. In solchen Situationen geht es für das Gehirn und den „angeschlossenen“ Organismus nur ums Überleben. Da erscheint Lernen wie überflüssiger Luxus.

Mit Entspannungsübungen und Meditation lässt sich dieser entspannte Alpha-Zustand schnell erreichen. Gute Erfahrungen hat man aber auch mit der Klangschalen-Massage und dem sogenannten Ultraschallhören gemacht.

Übung, die die Hirnfrequenz in den Alphazustand bringt

Folgende Übung, die der Rechenkünstler Rüdiger Gamm entwickelt hat, soll ebenfalls die Lernbereitschaft steigern und die Hirnfrequenz in den Alphazustand bringen:

  • Schließen Sie die Augen und lenken Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf Ihre Atmung. Wenn Sie möglichst ohne störende Gedanken entspannt dasitzen, beginnen Sie in Gedanken zu zählen. Versuchen Sie sich die einzelnen Zahlen möglichst bildhaft vorzustellen. Lassen Sie sich für jede einzelne Ziffer mindestens 5 Herzschläge lang Zeit.
  • Denken Sie sich siebenmal die sieben, sechsmal die sechs, fünfmal die fünf usw. bis zur „1“.  Gamm: „Nun sollten Sie entspannt sein, Ihr Puls geht etwas langsamer, Ihr Blutdruck hat sich leicht gesenkt, Ihre Atmung ist ruhiger, Ihre Hirnfrequenz ist gesunken. Diese Technik eignet sich nicht nur als Vorbereitung zum Lernen, sondern hat sich auch als Einschlafhilfe bewährt.“

Gehirnjogging im Alltag

Rüdiger Gamm gibt folgende Tipps, „wie Sie auch im Laufes des Tages mit kleinen Übungen Ihr Gehirn trainieren können, um Ihre Gedächtnisleistung zu steigern.“

  1. Putzen Sie sich ab­wechselnd mit der linken und der rechten Hand die Zähne.
  2. Vertauschen Sie Messer und Gabel.
  3. Öffnen Sie eine Flasche mit der anderen Hand.
  4. Nehmen Sie die Kaffeetasse in die ungewohnte Hand.
  5. Öffnen Sie mit der ungewohnten Hand die Türen.
  6. Essen Sie beim Chinesen ruhig mal mit Stäbchen.
  7. Knöpfen Sie mal mit der anderen Hand Ihre Kleidung auf oder zu.

aus: Gamm/Ehlert: Train your brain, Heyne-Verlag

Können Sie den Stroop-Test?

Der sogenannte Stroop-Test zeigt Ihnen, wie viel besser lesen »als nur sehen« Sie können.

Lesen Sie zuerst einfach die verschiedenen Zeilen laut vor. Das dürfte Ihnen keine besonderen Schwierigkeiten machen, denn die verschiedenen Farb-/Grautöne stören beim Lesen kaum.

Aber dann versuchen Sie beim zweiten Durchlauf, nur den Farb-/ Grauton zu sprechen, nicht das Wort, das Sie lesen. Die erste Reihe lautet also: weiss, schwarz, grau, schwarz. Sie werden sehen, dass Sie sehr schnell ins Stocken kommen.

Sie stellen sich ständig ein Bein, wenn Sie zwar das Wort GRAU sehen, aber seine Farbe weiss ist. Zwei Anforderungen kommen durcheinander – Lesen und Farbenerkennen.
Der Stroop-Test zeigt Ihnen, wie viel besser lesen »als nur sehen« Sie können

 

Hier vermehren Sich Ihre kleinen grauen Zellen. Sie müssen nur durchhalten!

Lesen Sie Spiegelschrift, denn das lässt Ihre Gehirnmasse wachsen. Herausgefunden hat das der Neurologe Dr. Rüdiger Ilg von der Technischen Universität München bei einer aktuellen Untersuchung.

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