Guter Sex beginnt im Kopf: Berührung, Sinnlichkeit und Liebe

„Lassen Sie sich nicht weismachen, dass Sex eine rein körperliche Angelegenheit ist. Tatsache ist – guter Sex beginnt im Kopf“, sagt die Sexualtherapeutin Jenny Hare. Lesen Sie, wie Sie ihre Ratschläge umsetzen können.

Sexualität, sagt Jenny Hare, könne viel interessanter und befriedigender sein, wenn wir unsere Sinnlichkeit und unsere Fantasie stärker für das Thema Liebe und Sexualität einspannen würden. Wir können riechen, sehen und uns berühren – doch in der Sexualität werden die Sinne so gut wie gar nicht angesprochen. Denn die Wirklichkeit sieht anders aus: Das Pflichtprogramm dauert sieben Minuten und findet in meist kalten, dunkeln Schlafzimmern statt. „Doch mit ein wenig Fantasie können Sie aus der Routine ausbrechen.“

Die Fehler beginnen nicht erst im Schlafzimmer

Jenny Hare ist sich sicher – die Fehler beginnen nicht erst im Schlafzimmer, sondern schon im täglichen Leben. Kurz gesagt: Wer falsch lebt, wird wahre Sexualität nie erleben.

Es sind die vermeintlichen Kleinigkeiten, die eine große Wirkung entfalten können. „Wenn Sie frisch verliebt sind, werden Sie vielleicht instinktiv Ihrem Partner immer wieder tief in die Augen schauen, aber Monate oder Jahre nach dem Beginn einer Beziehung lässt dieser intensive Blickkontakt häufig nach.“ Die Forderung der Sexualtherapeutin: „Lassen Sie das nicht zu. Schauen Sie in die Augen Ihres Partners, lesen in seiner Seele und lassen Sie in Ihrer lesen.“

Mit Blickkontakt bewusst wahrnehmen

Aus ihrer therapeutischen Praxis weiß sie: Wenn Paare sich nicht mehr bewusst wahrnehmen – und ohne Blickkontakt geht das nur mühsam – dann nehmen sie sich vielleicht irgendwann gar nicht mehr wahr. Man lebt aneinander vorbei und fragt sich irgendwann, warum man überhaupt noch zusammenlebt.

In einer Ehe hat der Blickkontakt immer eine sexuelle Komponente. Sie tritt nicht immer offen zu Tage und man ist sich dieser sexuellen Komponente auch nicht immer bewußt. Aber in einer solchen Beziehung ist der Blickkontakt der Weg in eine andere Dimension.

"Ausdrucksvolle Augen stärken Ihre sexuelle Anziehungskraft"

Jenny Hare: „Er schafft und fördert die Bindung sexuell und vielleicht auch emotional und spirituell. Selbst in einer freundschaftlichen Beziehung, wo man vielleicht nicht allzu viel von sich preisgeben möchte, schafft der Blickkontakt Tiefe. Ausdrucksvolle Augen sind der Schlüssel zu ihrer Sexualität und Ihrem Verlangen. Sie stärken Ihre sexuelle Anziehungskraft und auch den Spaß, den Sie beide haben werden.“

Und nicht nur die Augen sollten ausdrucksvoll sein. Auch das, was die Augen an Farben wahrnehmen, hat Bedeutung für die Sexualität. Denn Farben haben einen großen Einfluss auf Stimmungen. Sie wirken, abhängig von Farbton und Nuance, direkt oder indirekt als sexueller Katalysator.

Jenny Hare: „Farben können dazu verwendet werden, sexuelle Erfahrungen und Ihre Beziehungen zu intensivieren und zu harmonisieren.“ Farb- und Stilberatung bekommt so gesehen einen völlig neuen Sinn. Denn wer sich in seiner Farbenwelt wohlfühlt – und das soll ja eine Farbberatung erreichen – wird selbstbewusster und strahlt das aus. Und das beeinflußt die eigene Sexualität positiv.

"Denken Sie an Sex. An welche Art von Sex ist egal"

Die Fantasie, sagt Jenny Hare, kommt oft zu kurz in der Sexualität. Damit meint sie nicht verrückte und außergewöhnliche Beischlafstellungen, die ohne Übung mit Zerrungen, Wadenkrämpfen oder Ähnlichem enden. Sie meint die Fähigkeit, vor unserem inneren Auge Bilder entstehen zu lassen. Sexuelle Fantasie – da ist alles an Tagträumen erlaubt, was zur sexuellen Stimulation taugt. „Denken Sie an Sex. An welche Art von Sex ist egal. Was immer Sie am glücklichsten macht“, sagt die Sexualtherapeutin.

Und warum das Ganze? „Ihr Partner wird die Wirkung, die diese Fantasien auf Ihre emotionalen und körperlichen Reaktionen haben, spüren“. Jenny Hare weiter: „Ihr Partner kann es nicht übersehen, wenn Sie plötzlich an Tempo zulegen. Aber er wird glauben, dass es einzig an ihm liegt und begeistert sein. Das ist auch gut so. Wenn Ihr Vergnügen so viel größer wird, ist es nur gut, wenn das Ihres Partners ebenso steigt. Freuen Sie sich – für sich selbst, für Ihren Partner und für Ihre Beziehung.“

Berühren und Streicheln des Partners

Auf Fantasiereise gehen hört sich leicht an. Doch wer nicht gelernt hat, mit seinem Körper so zu spielen und zu experimentieren (um nichts anderes handelt es sich ja), kann es üben. Denn in jeder Frau schlummert diese Fähigkeit. Sie muss lediglich geweckt werden. Folgende Übungen können dabei helfen.

Es klingt paradox: Aber die körperliche Berührung kommt in der Alltagssexualität fast immer zu kurz. Denn gemeint ist nicht die eher zufällige Berührung zweier Körper, sondern das bewusste und intelligente Berühren und Streicheln des Partners. Jenny Hare: „Nur Mut. Erkunden und genießen Sie die Kraft Ihrer Berührungen und der Ihres Partners. Eine Berührung ist eine Verbindung von Körper, Geist und Seele. Diese Verbindung kann Ihre Lust am Sex und Ihre Beziehung verändern.“

Bleiben Sie sinnlichen Berührungen gegenüber offen

Die Kraft der Berührung ist uralt: Mütter und Babys, Kinder, Erwachsene jeden Alters, Liebende – sie alle lieben und genießen es, berührt zu werden. Entspannung macht sich breit – beim Gestreichelten wie beim Streichelnden. Jenny Hare: „Auch wenn die Berührung überhaupt nicht sexuell gemeint ist, trägt sie dazu bei, dass Sie sinnlichen Berührungen gegenüber offen und positiv bleiben.“

Acht Tipps zum sinnlichen Berühen für Paare

  1. Berühren sie sich oft, je öfter Sie es tun, um so natürlicher und entspannter gehen Sie damit um.
  2. Achten Sie darauf, was Ihr Partner am liebsten mag und berühren Sie ihn möglichst oft auf diese Art.
  3. Zeigen Sie einander, wie und wo Sie gern berührt werden möchten – die wenigsten Menschen können Gedanken lesen.
  4. Gehen Sie langsam, aber bestimmt vor.
  5. Denken Sie an die Lust Ihres Partners. Berühren Sie ihn, wie Sie selbst gern berührt werden möchten, aber erspüren Sie aus seinen Berührungen seine Vorlieben, und versuchen Sie es auch auf seine Weise.
  6. Reagieren Sie auf seine Berührungen und ermutigen Sie ihn, Ihnen zu sagen, ob Sie es richtig machen.
  7. Sparen Sie nicht mit Lob, wenn es sich richtig gut anfühlt, was er da tut, wenn es immer besser wird und Sie schließlich zum Ja treibt.
  8. Verlieren Sie aber bitte nicht den Kontakt zu ihm, wenn Sie dieses Stadium zuerst erreichen, obwohl Sie das in den ersten Momenten der Ekstase vielleicht nicht vermeiden können. Berühren Sie sich weiterhin und wenn es nur eine feste Umarmung ist. Konzentrieren Sie sich nun auf ihn und sehen Sie zu, dass sein Glück aus Ihrem hervorgeht.

Feste und Essen, Düfte und Sinnlichkeit: All das ist Ausdruck der Lebensfreude und der Freude an Lust und Liebe. Der Zusammenhang ist nicht neu. Auch die Sexualtherapeutin Jenny Hare sieht ihn: „Menschen die alles, was mit dem Essen zusammenhängt, lieben – das Zubereiten, für andere kochen, selbst zu essen – sind meist Leute, die sich am Leben freuen, und dazu gehört auch guter Sex und ein gesundes sexuelles Selbstvertrauen.“

Auch Töne und Klänge haben eine sexuelle Dimension

Oder man kann es auch anders beschreiben: Wer immer hastig sein Essen herunterschlingt, hat wenig Zeit, steht immer unter Strom, ist mit seinen Gedanken immer woanders. Dass es sich hier um einen guten Liebhaber handelt, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Karrierestreben und stressige Lebensumstände harmonieren nur schwer mit einem befriedigenden und ausgeglichenen Sexualleben.

Auch Töne und Klänge haben eine sexuelle Dimension und können für Erotik in Anspruch genommen werden. „Schwingen Sie im Rhythmus von Klang, Sex und Sinnlichkeit“, sagt die Sexualtherapeutin. Ihre Empfehlung: Musik als Aphrodisiakum.

  1. Hören Sie beim Sex – oder wenn Sie Sex möchten – Ihre gemeinsame Lieblingsmusik und lassen Sie Ihre Körper und Seelen von der Musik leiten.
  2. Passen Sie sich dem Rhythmus der Musik an. Das kann bedeuten, dass Sie eine Weile lang einfach nur Händchen halten und zuhören, sich ein anderes Mal sanft miteinander bewegen und sich dann wieder ganz direkt gegenseitig erregen.
  3. Die Musik sollte die Atmosphäre von Nähe und Verlangen tragen. Spüren Sie, wie der Rhythmus der Musik Ihren sexuellen Rhythmus bestimmt.
  4. Verdoppeln Sie die Lust, indem Sie Sex und Musik verbinden.

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