Heilen mit Hypnose

Viele Krankheiten und Beschwerden lassen sich mit Hypnotherapie erfolgreich behandeln

Menschen in Trance, in einen dämmerigen Halbschlaf zu versetzen, hat eine lange Tradition. Vermutet wird, dass Hypnose ihren Ursprung in meditativen und kultischen Handlungen mit religiösem Hintergrund hat. Entwickelt hat sie sich schon vor tausenden von Jahren aus den selbstmeditativen Erfahrungen von Priestern, Heilern und Schamanen.

Diese für manchen etwas unseriös anmutende Vergangenheit war es dann wohl auch, die Wissenschaftler lange Zeit einen großen Bogen um das Thema Hypnose machen ließ. Auch heute stehen noch viele Mediziner der Hypnose skeptisch gegenüber. Denn was in einem hypnosierten Menschen passiert, welche Vorgänge in seinem Gehirn ablaufen, weiß man noch nicht im Detail. Aber die Erfolge sprechen für die Methode.

Schlafstörungen, Hauterkrankungen, Ess-Störungen, Schmerzen, Migräne – viele Krankheiten und Beschwerden lassen sich mit Hypnose behandeln

Doch die wissenschaftlich belegten Erfolge lassen den Chor der Kritiker leiser werden. Unter anderem folgende Krankheiten und Beschwerden werden ziemlich erfolgreich mit Hypnose behandeln und heilen: Schlafstörungen, Depressionen, Phobien, Reizdarmerkrankungen, Asthma, Hauterkrankungen, Fibromyalgie, Essattacken, Essstörungen (Bulimie, Anorexie), sexuelle Störungen, Operationsschmerzen, Geburtsschmerzen, Migräne, Zahnarztangst, Schmerzen allg. (z.B. bei Krebs und Arthritis), Tabakmissbrauch, Infarktfolgen und Tinnitus. (Mehr zu den Behandlungsgebieten weiter hinten im Text.)

Viele Experten erklären sich die Wirksamkeit der Methode so: Durch Hypnose wird der Patient in eine kindliche Haltung mit größerer Lernfähigkeit versetzt. Handlungsanweisungen unterlaufen sozusagen die intellektuelle Schranke des erwachsenen Menschen. Praktisch heißt das zum Beispiel, dass selbst auferlegte Denkverbote so regelrecht unterlaufen werden.

Prof. Dr. Dirk Revenstorf von der Universität Tübingen, der sich seit Jahren intensiv mit Hypnose beschäftigt, fasst es so zusammen: „Der Therapeut redet mit dem Patienten bestimmt wie ein Vater und fürsorglich wie eine Mutter. Dadurch kommt es zu schnellen und intensiven Übertragungen, die in doppelter Weise genutzt werden können, nämlich als gute Arbeitsbeziehung und als kindliche Lernhaltung des Patienten.“ Wenn der Patient sich in Trance befindet, übernimmt der Hypnotiseur quasi die Rolle der Eltern.

Wie wirkt Hypnose?

Hypnose verändert die Wahrnehmung und das Denken, sie bewirkt einen anderen Zugang zu unseren Emotionen und sie verändert die Reaktionen des Körpers. Prof. Dirk Revenstorf: „Veränderungen können unabhängig vom Willen des Patienten stattfinden. Das ist ein für die Therapie nicht unerheblicher Faktor, um der Demoralisierung durch die Probleme und die vergeblichen Versuche ihrer vernunftgesteuerten Lösung entgegen zu wirken.“

Auch wenn die Einsatzmöglichkeiten von Hypnose fast grenzenlos erscheinen, gibt es doch eine wichtige Einschränkung. „Hypnotherapie kann nur erfolgreich sein, wenn der Patient mitarbeitet und wirklich eine Veränderung will. Sie setzt außerdem einen gewissen Grad an Hypnotisierbarkeit oder Suggestibilität des Patienten voraus“, so die Psychologin Marion Sonnenmoser. Diese Fähigkeit ist angeboren und kann von schwach bis stark ausgeprägt sein.

Besser als herkömmliche Behandlungsmethoden

Von den Vorteilen der Hypnose nicht profitieren wird, wer Angst davor hat, mit dieser Behandlung die Kontrolle über sich zu verlieren oder der gesamten Behandlung nur widerwillig zugestimmt hat.

Mehrere hundert wissenschaftliche Studien gibt es bislang. Und dabei zeigen sich Phänomene, die herkömmliche Behandlungsmethoden ziemlich alt aussehen lassen.

Mit Hypnose erfolgreich Schlafstörungen behandeln

Bei Menschen mit Schlafstörungen (primäre Insomnie) konnten durch Hypnose die Wachliegezeiten stark reduziert werden. Innerhalb von drei Monaten ging bei einer Studie die Einschlafzeit von im Schnitt 70 Minuten auf 25 Minuten zurück – und das ganz ohne Schlafmittel.

Mit Hypnose erfolgreich Migräne ganz ohne Medikamente behandelt

In einer anderen Studie wurde der Einsatz von Hypnose zur Behandlung von Migräne getestet. 12 Migränetage waren es im Schnitt vor Behandlungsbeginn. Nach der viermonatigen Hypnotherapie waren es nur noch vier Migränetage; genau so viele waren es auch zwei Monate nach Therapieende. Ein gleichzeitig in einer anderen Gruppe eingesetztes Migräne-Medikament mit dem Wirkstoff Cyclandelat schaffte ebenfalls eine Reduktion auf vier Migränetage.

Mehr Lymphozyten: Auch das Immunsystem lässt sich mit Hypnose aktivieren

Andere Versuche zeigen, dass sich durch entsprechende Suggestionen des Hypnotiseurs („Die Adern öffnen sich“) sogar das Blutvolumen in den Fingern der Patienten vergrößern lässt. Auch das Immunsystem lässt sich unter Hypnose aktivieren. So hat schon vor einigen Jahren die Psychologin Patricia Ruzyla-Smith gezeigt, dass mit Hypnose die Anzahl der Lymphozyten, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, signifikant erhöhen lässt. Davon profitieren insbesondere Menschen, die leicht auf Hypnose ansprechen („Hochsuggestible“).

In anderen Studien konnte gezeigt werden, dass sich sogar die Konzentration von Antikörpern im Speichel von Kindern durch Hypnose erhöhen lässt.

Dank Hypnotherapie Abnahme der Hautreaktion bei Asthma

Asthma und Heuschnupfen lassen sich ebenfalls durch Hypnotherapie positiv beeinflussen. So zeigte sich bei einer Studie mit Asthmapatienten, dass bewusst hervorgerufene Hautreaktionen (Pollen/Hausstaub-Prick-Test) durch eine auf das Krankheitsbild abgestimmte Hypnose zu einer beachtlichen Abnahme der Hautreaktion führte – nämlich um 41 Prozent verglichen mit der anfänglichen Rötung.

Auch Patienten mit Neurodermitis profitieren von Hypnose

Auch Hauterkrankungen sprechen auf Hypnose an. Eine schon 1995 veröffentlichte Studie zeigt, dass Patienten mit Neurodermitis spürbar von einer solchen Behandlung (zwischen drei und 12 Hypnosesitzungen) profitieren. Die subjektive Befindlichkeit verbesserte sich spürbar – der Juckreiz ging zurück, der Schlaf wurde besser und die allgemeine Anspannung ließ nach. Sogar die Menge der entzündungshemmende Salben wurde geringer. Das Erstaunliche: Die Verbesserungen bestanden auch noch zwei Jahre nach Behandlungsende.

Stress vor Prüfungen lässt sich mit Hypnose in Grenzen halten

Dass Stress das Immunsystem durcheinanderbringen und schwächen kann, weiß man mittlerweile. Auch Prüfungsstress schwächt das Immunsystem. Und was passiert mit dem Immunsystem, wenn stressgeplagte Prüflinge einige Tage vor der alles entscheidenden Prüfung sich bei einigen Hypnosesitzungen entspannen dürfen? Der Rückgang der gemessenen Immunwerte ist wesentlich geringer als in der sogenannten Kontrollgruppe mit den nicht hypnotisierten Studenten.

Weniger Warzen mit Hypnose

Wie sieht es mit viralen Infektionen aus? Sprechen die auch auf Hypnose an? Zumindest für die Behandlung von Warzen kann man das behaupten. Der Wissenschaftler Nicholas Spanos verglich in einer Studie die Wirksamkeit von Hypnose mit Salicylsäure. Nach sechs Wochen zeigte sich, dass sich in der Hypnose-Gruppe die Warzen am weitesten zurückgebildet hatten.

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