Immuntherapie: SIT oder SLIT?

Und werden noch Antihistaminika oder Kortikosteroide gebraucht?

Die spezifische Immuntherapie (SIT) und die sublinguale Immuntherapie (SLIT) sind zwei Verfahren, mit denen bei Pollenallergien die Allergiesymptome verringert werden können oder im Idealfall ganz verschwinden.

Während sich Allergie auslösende Lebensmittel noch recht leicht umgehen lassen, auch dank der Deklarationspflicht der Hersteller von Nahrungsmitteln, ist das Leben für Pollenallergiker schon schwieriger. Denn Pollen fliegen durch die Luft. Wer sie hundertprozentig meiden will, kann nur verreisen oder muss den Wohnort wechseln – an die See oder in die Berge. Denn direkt an der Küste und in den Bergen ab 2000 Metern Höhe ist die Luft so gut wie allergenfrei.

Spezifische Immuntherapie (SIT): Ziel ist es, die Allergiesymptome zu verringern

Viele Fälle lassen sich schulmedizinisch mittlerweile aber auch ganz gut in pollenreicher Flachlandluft behandeln. „Spezifische Immuntherapie“ (SIT) nennt sich das Verfahren, das auch unter den Bezeichnungen „Desensibilisierung“ oder „Hyposensibilisierung“ bekannt ist. Das Ziel: Die Allergiesymptome zu verringern. Die Ansprechraten sind hoch und liegen bei bis zu 80 % der Patienten.

Wenn jemand gegen einen Stoff allergisch ist, reagiert er überempfindlich. Es wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, an deren Ende die allergischen Beschwerden stehen. Bei einer SIT werden Allergenextrakte in winziger Menge unter die Haut gespritzt. Ziel ist es, den Körper an das Allergen zu gewöhnen und ihn von einer Überreaktion abzuhalten. Das Verfahren wird deshalb manchmal auch mit einer Impfung verglichen.

Im Verlauf der Behandlung, die sich über zwei bis drei Jahre (manchmal auch länger) hinziehen kann, wird die gespritzte Dosis langsam erhöht bzw. wieder verringert, wenn die Reaktion des Organismus zu heftig ist. Außer Pollenallergien lassen sich auch Hausstaubmilben-, Tierhaar-, Schimmelpilz- und Insektengiftallergien behandeln, wobei aber insbesondere bei Tierhaaren und Schimmelpilzsporen weniger Betroffene auf das Verfahren ansprechen.

Spezifische Immuntherapie: Nicht immer schlägt das Verfahren an

Nachteil des Verfahrens: Längst nicht für jede Allergie gibt es eine „Impfung“. Und nicht immer schlägt das Verfahren an, auch wenn es nach Auskunft des Kölner Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen bei den meisten Menschen mit Heuschnupfen die Beschwerden sowie den Bedarf an Allergie-Medikamenten verringert.

Manchmal tritt sogar ein gegenteiliger Effekt ein, dann verstärken sich die Symptome nach dem Ende der Behandlung wieder. Auch während der Behandlung treten unerwünschte Wirkungen recht häufig auf. „Dies ist zu erwarten, wenn dem Körper eine Substanz zugeführt wird, auf die er normalerweise allergisch reagiert“, so das Kölner Institut in einer Stellungnahme.

Bei über der Hälfte aller Behandelten (etwa 60 Prozent) zeigte sich ein leichter Ausschlag an der Einstichstelle. Bei jedem fünften war die Reaktion stärker und ging bis hin zu asthmaähnlichen Beschwerden.

Die Sublinguale Immuntherapie (SLIT) kann zu Hause erfolgen

Weniger Nebenwirkung hat eine ähnliche Therapie, die sublinguale Immuntherapie (SLIT). Hier werden die Allergene nicht unter die Haut gespritzt, sondern man lässt sie in Form von Tabletten unter der Zunge zergehen. Auch die Gabe von Tropfen ist üblich. Ein weiterer Vorteil dieser Therapie: Sie kann zu Hause erfolgen. Insgesamt scheint aber die Wirksamkeit geringer zu sein als bei der SIT-Therapie und sie wird – aus welchen Gründen auch immer – häufiger abgebrochen.

Trotz SIT oder SLIT – nur wenige Pollenallergiker werden nach einer solchen Behandlung auf Medikamente wie Antihistaminika oder Kortikosteroide ganz verzichten können. Am häufigsten kommen die Antihistaminika zum Einsatz. Sie dämpfen die Wirkung des Histamins, das bei einer allergischen Reaktion freigesetzt wird. Neuere Präparate sind meist lange wirksam und unterdrücken die Allergiesymptome bis zu 24 Stunden. Die Nebenwirkungen hängen sehr vom Medikament ab. Die häufigsten sind: Müdigkeit, Mundtrockenheit und Kopfschmerzen.

Naturheilkundliche Anti-Allergiebehandlungen mit weniger Nebenwirkungen gibt es. Sie werden aber meist nur von entsprechend ausgebildeten Medizinern vorgeschlagen. → weiter mit Seite 3

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