Intimpflege. Die besten Tipps und Empfehlungen

Die Frage nach der richtigen Intimpflege ist selten ein Gesprächsthema, auch nicht unter Frauen. Es ist zu persönlich. In der gynäkologischen Praxis wird ebenfalls nicht häufig über Intimpflege gesprochen. Was damit zusammen hängen dürfte, dass die meisten Frauenärzte Männer sind. Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema gesammelt.

  • Wieviel Intimpflege ist sinnvoll?

Vorab das: Es wird zu viel Intimpflege betrieben. Nach Schätzungen haben sich bis zu 40 Prozent der Patientinnen, die mit Scheidenpilz in die Sprechstunde von Gynäkologen kommen, ihr Leiden durch übertriebene Intimpflege zugezogen. Es wird zuviel mit parfümierten Seifen oder Duschgels gewaschen. Hinzu kommen desinfizierende Scheidenspülungen und Intimdeos, die bei übermäßiger Benutzung die Schleimhaut der Vagina zerstören können. Sie trocknet aus und wird rissig. Die Folge ist: Pilze und Bakterien haben es leichter.

Viele Frauenärzte empfehlen deshalb: Maximal einmal pro Tag sollte der Genitalbereich gewaschen werden – mit lauwarmem Wasser. Bei empfindlicher Haut kann auch ein mildes Intimwaschmittel (siehe nächste Frage) sinnvoll sein. Wer mehr Bedarf verspürt – wie es im Sommer oder nach Sport oft vorkommt – nimmt nur noch klares Wasser. Von Scheidenspülungen zur Intimpflege halten viele Gynäkologen gar nichts, denn das störe den natürlichen Selbstreinigungsmechanismus des Scheidenmilieus.

  • Welches Intimwaschmittel kommt infrage?

Tabu sind in jedem Fall normale Seifen oder Duschgels, die viel zu aggressiv für die empfindliche Haut sind. Auch synthetische Waschprodukte, sogenannte Syndets, sollten nicht dauerhaft zur Intimpflege benutzt werden.

 

Sinnvoller sind spezielle Intimwasch­lotionen; besonders dann, wenn die Haut in diesem Bereich zu Irritationen neigt. Es gibt unterschiedliche Produkte auf der Basis von Naturmolke, Milchsäure, Kolostrum etc. Sie eignen sich deshalb zur Reinigung und Pflege, weil sie den sauren ph-Wert in der Scheide durch ihre speziellen Inhaltsstoffe unterstützen und somit helfen, biologische Ungleichgewichte in diesem Bereich auszugleichen.

  • Was lässt sich gegen starken Intimgeruch unternehmen?

Die Schweißdrüsen im Intimbereich (gilt auch für die Achselhöhlen) sondern einen Schweiß mit besonders geruchsaktiven Stoffen ab. Er trägt zu unserer ganz persönlichen Duftnote bei. Zum Problem wird dieser Schweiß erst dann, wenn zum Beispiel durch enge Hosen oder enganliegende Unter­wäsche aus Kunststofffasern die Mikroluftzirkulation in diesem Bereich nicht mehr funktioniert. Es kommt zu einem Wärmestau und wenig später entsteht der bekannte unangenehme Schweißgeruch. Deshalb: Baumwoll-Unterwäsche (oder Wäsche aus anderen Naturstoffen) anziehen und auch keine Slipeinlagen mit Kunststofffolien benutzen. Bei starkem Ausfluss kann tagsüber auch eine „Trocken­wäsche“ mit (alkoholfreien) Intimtüchern sinnvoll sein.

  • Kann zuviel Intimpflege schaden?

Alle Reinigungsaktionen (nicht nur direkte Intimpflege), die den sensiblen Intimbereich über Gebühr beanspruchen, fördern die Neigung zur Vaginal­pilzinfektion. Dazu gehören auch regelmäßige Vollbäder und Saunabesuche. Ohne besondere Pflege trocknet die Haut im Intimbereich aus, denn bei übermäßiger Beanspruchung können die Talgdrüsen nicht mehr schnell genug nachfetten. Leicht reizbare Haut sollte deshalb zum Beispiel vorm Baden, Duschen, dem Gang in die Sauna oder auch vor einer längeren Radtour mit einem fetthaltigen Pflegeprodukt eingecremt werden.

  • Lassen sich Scheidenpilze selbst behandeln?

Trotz oder eben manchmal auch wegen zuviel Intimpflege - drei von vier Frauen leiden mindestens einmal in ihrem Leben unter dieser Art der Pilzinfektion.

Die Beschwerden treten hauptsächlich als Rötung, Abschuppung, Schwellung und unangenehmer Juckreiz im Bereich der äußeren Geschlechtsteile auf. Der Ausfluss kann weiß oder gelblich sein, manchmal erinnert er an geronnene Milch. Wer erstmalig damit zu tun hat, sollte zum Frauenarzt gehen, um abchecken zu lassen, ob die vermutete Diagnose auch wirklich stimmt.

Wer die Symptome sicher kennt, kann den Pilz auch ohne Arzthilfe selbst behandeln. In Apotheken gibt es eine Vielzahl von rezeptfreien Mitteln, zum Beispiel das Breitbandantimykotikum Clotrimazol, das in verschiedenen Vaginalcremes enthalten ist oder der Wirkstoff Nystatin. Die Produkte gibt es u. a. als Creme, Spray oder Puder. Beide Wirksubstanzen sind auch für die Behandlung von Pilzinfektionen bei Schwangeren und stillenden Müttern geeignet.

  • Intimpflege: Naturheilkundliche Therapien mit pilzhemmenden Heilpflanzen

Wer sich nicht gleich mit „klassischen“ Pilzmitteln behandeln will, kann auch auf naturheilkundliche Therapien zurückgreifen. Denn es gibt viele Heilpflanzen, die pilzhemmend und -tötend sind und gleichzeitig auch Entzündungen lindern. Dazu zählen Ackerschachtelhalm, Schafgarbe, Kamille und Frauenmantel.

 

Dr. Anja Engelsing, Gynäkologin aus Bad Feilnbach: „Diese können als Scheidenspülung oder als Sitzbad an die betroffenen Schleimhäute gebracht werden“, eventuell auch zusammen mit einigen Tropfen Teebaumöl. „Im Akutstadium empfiehlt sich die mehrmals tägliche Anwendung, die Linderung tritt sofort ein“, so die Ärztin. Trotzdem unser Rat: Bevor man mit eigenen Teeaufgüssen herumexperimentiert, sollte man fachlichen Rat einholen.

Begleitend empfiehlt Dr. Engelsing pilzhemmende Medikamente einzunehmen. „Das sind zum Beispiel Zubereitungen aus Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel (z. B. Angocin-Anti-Infekt-Filmtabletten) oder aus Myrrhe, Kaffeekohlen-Extrakt und Kamille (z. B. Myrrhinil-Intest).“

  • Kann ich Pilzinfekte dauerhaft verhindern?

Das Problem mit den Vaginal­pilzen ist: Wer sie hat, muss sich intensiv um sie „kümmern“, sonst kommen sie mit großer Wahr­schein­­lichkeit wieder. Die Ursachen  sind im Einzelfall nur schwer zu ermitteln. Oft spielen verschiedene Faktoren eine Rolle.

  1. Benutzen Sie keine Unterwäsche aus Kunststofffasern und auch keine Slipeinlagen mit Kunststoff­folien. Lassen Sie bei den Slips auch den Weichspüler weg.
  2. Versuchen Sie, krankmachenden Stress und psychische Belastungen von sich fern zu halten. Aus Untersuchun­gen weiß man, dass ungesunder Stress die Vaginal­flora ungünstig beeinflusst und das Pilz­wachstum fördert.
  3. Auch plötzliche Klimaänderungen bringen die Mikrobiologie auf der Vaginalhaut durcheinander.
  4. Stärken Sie Ihr Immunsystem. Ernähren Sie sich gesund – wenig Zucker, wenig Fleisch, dafür aber viel Obst und Gemüse. Dr. Anja Engelsing: „Scheidenpilzinfektionen lassen immer auf ein nicht intaktes Immunsystem schließen. Ein gesundes Immunsystem nämlich ‘erledigt’ die Pilze ganz von alleine.“
  • Helfen Impfungen gegen Scheidenpilze?

Millionen Frauen erkranken jährlich an einer Scheiden­entzündung, bei der z. B. Pilze oder Bakterien die guten Milchsäure­bakterien verdrängen. Doch bei vielen Betrof­fenen zeigt eine Behandlung mit Antibiotika oder Antimykotika oft keinen langanhaltenden Erfolg. Ein seit einigen Jahren verfügbare Impfstoff (Gynatren, Firma Strathmann) soll die beschwerdefreie Zeit auf bis zu 36 Monate verlängern. Dieser Impfstoff, der aus inaktivierten Keimen von acht Milchsäurebakterien-Stämmen besteht, bewirkt nach Angaben des Herstellers eine Antikörperbildung gegen krankmachende Scheidenkeime und regeneriert so die normale Scheiden­flora, die reich an Milchsäurebakterien ist.

Innerhalb von 4 Wochen wird der Impfstoff dreimal gespritzt (Grundimmunisierung). Eine Auffrischungsspritze gibt es dann noch einmal nach 6 bis 12 Monaten.

Die Impfung ist allem Anschein nach eine recht erfolgreiche Behandlungsform. In einer Anwen­dungsbeobachtung des Herstellers mit 576 Patientinnen hätten fast zwei Drittel keine neuen Beschwer­den mehr gehabt. Ein 100prozentiger Schutz ist nicht möglich.

Das pharma-kritische „arznei-telegramm“, ein Infor­mationsbrief für Ärzte und Apotheker, hat hingegen eine völlig gegenteilige Meinung: „Methodisch akzeptable Studien, die einen Nutzen belegen, finden wir nicht. Wir raten daher von der Anwendung ab“, so die Experten.

Gezahlt werden muss die Behandlung aus dem eigenen Portemonnaie. Kosten: ca. 100 EUR.

Zuerst erschienen in der Zeitschrift feminin & fit; Fotos: Piotr Marcinski / Dreamstime.com

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