Lichtschutzfaktor in Sonnencremes: Je höher, desto besser?

Der Trend scheint kein Ende zu finden: Sonnencremes mit hohen bis sehr hohen Lichtschutzfaktoren (LSF 30, 40, 50 und höher) werden immer beliebter. Bei den Käufern dürfte in den meisten Fällen die Überlegung dahinter stehen, dass ein hoher Lichtschutzfaktor „besser“ für die Haut sei als ein niedrigerer. Doch das stimmt aus vielen Gründen nicht immer.

Es beginnt häufig schon mit einem falschen Gedankengang: Rein theoretisch darf man sich mit einer LSF-30-Creme auf der Haut doppelt so lange wie mit einer LSF-15-Creme der Sonne aussetzen.

Wer kennt schon seine Eigenschutzzeit?

Wer ohne Schutz nach zehn Minuten in der Sonne rote Haut bekommt, ist mit einer Lichtschutzfaktor-15-Creme rein rechnerisch 150 Minuten (15 x 10 Minuten) vor einem Sonnenbrand geschützt; mit einem Lichtschutzfaktor-30-Produkt 300 Minuten. Doch wer kennt schon seine Eigenschutzzeit?

Wer seine Haut das ganze Jahr vor der Sonne versteckt, kommt vielleicht nur auf fünf Minuten in der prallen Sonne und halbiert trotz hohem LSF seine mögliche Zeit im Freien. Wie lange man in der Sonne bleiben darf, weiß man ohnehin oft erst, wenn es zu spät ist.

Nicht sparsam und dünn eincremen

Hinzu kommt: Auch das Eincremen spielt eine ganz entscheidende Rolle. Wer sparsam und dünn oder ungleichmäßig eincremt – was aufgrund der festen Konsistenz gerade bei Cremes mit sehr hohem Lichtschutzfaktor (LSF 30 bis 50) oft der Fall ist –, verringert die mögliche Sonnenzeit noch weiter.

Lichtschutzfaktor von 15 bis 25 reicht völlig aus

Meist reichen Produkte mit einem Lichtschutzfaktor von 15 bis 25 völlig aus. Denn schon ein Sonnenschutzmittel mit einem LSF 10 absorbiert und reflektiert bereits 90 Prozent aller Strahlen. Produkte mit einem sehr hohen Lichtschutzfaktor (zum Beispiel 35) schaffen nur noch weitere fünf Prozent.

Doch diese fünf Prozent erreichen die Hersteller nur mit noch mehr chemischen Filtersubstanzen, die die Haut (und damit den Organismus) und auch die Umwelt belasten, zum Beispiel das Wasser in Badeseen.

Sonnencreme verhindert Produktion von Vitamin D3

Ganz vergessen wird häufig auch, dass Sonnencreme die körpereigene Produktion von Vitamin D3 verhindert: Schon mit einem Lichtschutzfaktor 8 (!) wird die Produktion des Vitamins um 95 Prozent reduziert. Doch eine gute Versorgung mit Vitamin D ist wichtig z. B. zur Verhinderung von Osteoporose.

Deshalb empfehlen Mediziner, auch im Sommer Arme und Beine zumindest dreimal pro Woche für fünf bis zehn Minuten ungeschützt der Sonne auszusetzen. Bei einer so kurzen Zeit bestehe auch kein besonderes Risiko für die Haut.

Positiv ist: Die meisten Sonnencremes enthalten mittlerweile mehr Schutz vor UV-A-Strahlen als noch vor einigen Jahren. Denn seit Einführung des sogenannten Colipa-Standards müssen UV-A- und UV-B-Schutz in einem Verhältnis von eins zu drei stehen.

Lichtschutzfaktor bezieht sich nur auf die UV-B-Strahlung

Die Ab­sorptionsfähigkeit eines Sonnenschutzmittels in Bezug auf die UV-A-Strahlung muss immer ein Drittel der UV-B-Absorption betragen. Der auf der Verpackung aufgedruckte Lichtschutzfaktor bezieht sich trotzdem nur auf die UV-B-Strahlung. 

Praxistipp: Wichtiger als Cremes mit möglichst hohem LSF zu verwenden ist es, nach zirka 20 Minuten die Haut noch einmal einzucremen, um eine gute Deckung zu erreichen und das nach zwei Stunden zu wiederholen.

Damit lässt sich zwar die angegebene Schutzdauer nicht verlängern – die man ohnehin nur zur Hälfte ausnutzen sollte – aber die Qualität des Hautschutzes wird erhöht. Insgesamt sollte man pro Sonnentag zirka 30 ml Sonnenschutzmittel für einen erwachsenen Menschen einplanen.

 

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