Meditation: Mehr Gesundheit und weniger Stress

Je stressiger das Leben, desto größer das Interesse an Meditation. So lässt sich kurz gefasst der Aufwärtstrend beschreiben, der seit einigen Jahren diese Entspannungsmethode erfasst hat. Meditationskurse haben Hochkonjunktur. Denn das Versprechen ist verlockend: Mehr Gesundheit und weniger Stress. Auch Wissenschaftler haben das Potential erkannt, das in Meditation steckt: Seit gut zehn Jahren ist die Zahl der wissenschaftlichen Aufsätze auf diesem Gebiet geradezu explodiert.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte Meditation hierzulande ein ziemlich schlechtes Image: Entweder dachte man an „Yogische Flieger“, die durch die Kraft ihrer Gedanken schweben wollten oder es kamen einem orangefarben bekleidete Menschen in den Sinn, die mit weltabgewandtem Blick in den Fußgängerzonen der Städte Passanten mit dem Klang kleiner Schellen nervten.

Das alles ist Geschichte. Mit dem wachsenden Interesse an Meditation wird vielen auch klar, dass diese Technik nicht nur eine fernöstliche sondern auch eine christliche Tradition hat, die insbesondere in Klöstern gepflegt wurde.

Meditation: Methode zur Entspannung und Bewältigung von Stress

Aber was versteht man unter Meditation überhaupt? Sicher ist: Es ist eine Methode zur Entspannung und Bewältigung von Stress. Dieser Aspekt macht Meditation für viele Menschen interessant. In den Hintergrund ist hingegen das religiös begründete Ziel getreten, das jahrhundertelang im Mittelpunkt stand: eine asketische Praxis zur Erlangung spiritueller Einsichten.

Wissenschaftler haben meist ein anderes Interesse. Sie fragen: Welche Krankheiten lassen sich mit Meditation heilen? Und hier hat sich in den letzten Jahren Erstaunliches gezeigt: Es gibt fast keine Krankheit, die sich nicht auf irgendeine Weise durch Meditation positiv beeinflussen lässt.

Behandlung von Krebs? Meditation kann helfen

Sogar bei der Behandlung von Krebs kann Meditieren sinnvoll und heilsam sein. Diese Erfahrung haben Mediziner an den Kliniken Essen-Mitte gemacht. Prof. Gustav J. Dobos, der auch den Lehrstuhl für Naturheilkunde inne hat, hält es im Fall von Krebserkrankungen für sinnvoll, u.a. auch mit Meditation zu arbeiten. „Heute hält durchschnittlich jede dritte Brustkrebspatientin ihre Antihormontherapie nicht durch, weil sie die Nebenwirkungen wie Hitzewallungen oder Gelenkschmerzen nicht erträgt. Meditation oder Akupunktur jedoch können helfen, diese Symptome abzuschwächen“, sagt er.

Und noch eine Erfahrung hat der Mediziner gemacht: „Der Stoffwechsel reagiert nicht nur auf Medikamente, sondern auch auf Meditation oder andere Bewusstseinstechniken.“ Mit Meditation lässt sich zum Beispiel das Immunsystem beeinflussen. Und auch das Herz-Kreislauf-System und die Verdauung profitieren von dieser Methode.

Meditation entstresst

Meditation entstresst – dauerhaft. Jeder, der schon längere Zeit meditiert, weiß das aus eigener Erfahrung. Wissenschaftlich nachweisen lässt sich diese Beruhigung des Geistes anhand der veränderten Hirnaktivität, die mit einem EEG gemessen wird: Die sogenannten Alpha-Wellen, die für einen entspannten Wachzustand typisch sind, werden größer. Auch die Zahl der Beta-Wellen nimmt zu. Gedeutet wird das als Zeichen einer außergewöhnlichen stabilen Konzentration.

Mit anderen Methoden (z. B. sogenannten bildgebenden Verfahren, wie der Magnetresonanztomographie) lässt sich zeigen, dass sich durch regelmäßiges Meditieren das Gehirn dauerhaft verändert. Schon ein vergleichsweises kurzes Meditationstraining führt zu einer Zunahme der Dichte grauer Gehirnsubstanz. Hirnforscher waren über dieses Ergebnis ziemlich erstaunt, galt doch bis dahin die Lehrmeinung, dass in einem erwachsenen Gehirn keine Aufbauprozesse mehr stattfinden.

Auch wenn unter Meditation üblicherweise die sogenannte Sitzmeditation verstanden wird, gibt es auch andere meditative Methoden zum Stressabbau.

Tai Chi: Die Atem­frequenz sinkt und die Einatmungstiefe wird erhöht

Tai Chi, auch als Schattenboxen bekannt, war ursprünglich eine Kampfsportart. Mittlerweile sind daraus ruhig ablaufende Bewegungen geworden, die Körper und Geist gesund und aktiv halten. Gestärkt wird das Chi, die Lebensenergie, symbolisiert durch den Ausgleich von Yin und Yang, wobei Yin für weiblich, dunkel und passiv steht, Yang hingegen für männlich, hell und aktiv. In der Praxis sieht Tai Chi so aus, dass festgelegte Stellungen eingeübt werden, die durch fließende Bewegungen miteinander verbunden sind.

Die sogenannte Pekingform zum Beispiel besteht aus 24 Einzelbe­wegungen. Insgesamt sind über 100 verschiedene Stellungen (auch Bilder genannt) bekannt. Die Dauer einer Übungseinheit kann deshalb von wenigen Minuten bis zu einer Stunde und länger dauern. In der medizinischen Praxis hat sich Tai Chi insbesondere bei psychosomatischen Erkrankungen und als Methode zur Stressreduktion bewährt. Die Atem­frequenz sinkt und die Einatmungstiefe wird erhöht. Auch Bluthochdruck lässt sich mit Tai Chi in vielen Fällen gut behandeln. Insge-samt profitiert das gesamte Herz-Kreislauf-System.

Qi Gong

Wie beim Tai Chi geht es im Qi Gong darum, mit festgelegten Bewegungsabläufen zur inneren Ruhe zu kommen. Doch während bei vielen Tai Chi-Übungen die Tradition im Kampfsport zu spüren ist, sind Qi Gong-Übungen auf innere Sammlung und Konzentration hin ausgerichtet. Atem­techniken und Medi­tation stehen im Vorder­grund. Die „Acht Brokate“ ist die berühmteste Qi Gong Übungsreihe, die bei vielen Chinesen äußerst beliebt ist. Sie soll Gesundheit und ein langes Leben garantieren.

MBSR: Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion

Diese Form der Meditation stammt aus den USA und gewinnt auch hierzulande insbesondere in Kliniken immer mehr an Bedeutung. MBSR steht für Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (engl.: Mindfulness-Based Stress Reduction). Wie bei allen Formen der Meditation geht es um ein nicht-wertendes Gewahrsein dessen, was gerade im jetzigen Augenblick geschieht. Das Besondere an MBSR ist: Es handelt sich um eine auch wissenschaftlich gut untersuchte Kombination von Sitz- und Gehmeditation, Atembetrachtung und Körperwahrnehmungsübungen.

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