Myomembolisation: Schonende Alternative zur Gebärmutterentfernung

Neue Studien belegen: Die Myomembolisation ist ein schonendes Verfahren bei gutartigen Geschwülsten der Gebärmutter. Nebenwirkungen sind selten.

Etwa jede dritte Frau hat - meist unbemerkt - harmlose Wucherungen an der Gebärmutter, sogenannte Myome. Bei zirka 20 Prozent der Betroffenen führen sie jedoch aufgrund ihrer Größe oder Anzahl zu Beschwerden.

Myome: Bislang meist komplette Entfernung der Gebärmutter, die Hysterektomie

Die Folgen sind schmerzhafte, verstärkte und verlängerte Menstruationen bis hin zu Sturzblutungen, Druck auf Blase oder Darm sowie schlimmstenfalls Unfruchtbarkeit. Neben monatelangen Hormontherapien und aufwändigen operativen Eingriffen galt bisher die komplette Entfernung der Gebärmutter, die Hysterektomie, als erfolgreichstes Verfahren zur Behandlung von Myomen.

Doch es gibt eine Alternative: Speziell ausgebildete Radiologen wenden die Methode der Embolisation an. „Bei diesem Verfahren bleibt die Gebärmutter vollständig erhalten, die gefürchteten psychischen Folgeerscheinungen der Gebärmutter-Entfernung wie Depressionen und das Gefühl, keine vollwertige Frau mehr zu sein, treten nicht auf.

Zudem handelt es sich um einen minimal-invasiven Eingriff mit deutlich weniger Risiken als bei einer operativen Entfernung der Gebärmutter. Jetzt belegen auch neueste Langzeitstudien die nachhaltige Wirksamkeit", erklärt Dr. Götz Voshage, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und Chefarzt der Abteilung für Radiologie am Robert-Koch-Krankenhaus in Gehrden bei Hannover. Doch trotzdem wird das Verfahren in Deutschland nur selten angewendet.

Myomembolisation: Den Myomen wird die Blutversorgung entzogen

Und so funktioniert das Verfahren: Mit der Myomembolisation wird den Myomen die Blutversorgung entzogen - sie werden sozusagen „ausgehungert". Der Eingriff dauert etwa eine Stunde und findet unter Lokalanästhesie statt.

Der Arzt schiebt über einen circa einen Millimeter kleinen Einschnitt in der Leiste einen dünnen Katheter in die Schlagader der Gebärmutter bis zu den Arterien, die das Myom versorgen. Über den Katheter spritzt der Arzt dann sandkorngroße Kunststoffkügelchen direkt in die feinen Verästelungen der Arterie. Dort setzen sich die Partikel fest, verschließen die Adern dauerhaft und schneiden die Myome von der Blut- und Sauerstoffzufuhr ab.

Innerhalb weniger Monate schrumpfen die Geschwülste auf durchschnittlich die Hälfte ihrer Größe, und der Körper wandelt das nicht durchblutete Gewebe in Narbengewebe um.

Nach der Myomembolisation: Die Regelblutung verläuft normal

In den allermeisten Fällen verschwinden die Schmerzen, und die Regelblutung verläuft beschwerdefrei.

Da die Kügelchen komplett und dauerhaft die Blutversorgung der Myome unterbinden, ist die Embolisation auch langfristig erfolgreich. Nach dem Eingriff bleiben die Patientinnen nur für zwei bis drei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus. Lediglich bei Myomen, die sich weit in die Gebärmutterhöhle hinein entwickelt haben oder aber nur noch mit einem Gewebsstiel mit der Gebärmutter verbunden sind, raten die Mediziner von der Embolisation ab.

Bei Kinderwunsch eher keine Myomembolisation

Zurückhaltend sind die Mediziner auch bei Frauen mit Kinderwunsch, da Effekte der Embolisation auf den Eierstock nicht ausgeschlossen werden können und bislang auch keine größeren Studien zu Schwangerschaften nach Embolisation vorliegen.

„Die Erfolgsrate dieser Methode liegt bei über 90 Prozent. In anglo-amerikanischen Ländern und Frankreich wenden Kollegen die Embolisation bei Myomen bereits seit zehn Jahren an", sagt Dr. Voshage. Prominentes Beispiel: US-Außenministerin Condoleezza Rice ließ sich im Jahr 2004 erfolgreich mit dieser Methode behandeln. Inzwischen zahlen die gesetzlichen Krankenkassen diese Behandlung.

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