Nahrungsmittel, die der Darmflora gut tun

Vegetarier haben eine andere Darmflora als Fleischesser

 Der Darm ist leidensfähig, wenn er gesund ist: Ob Fastfood, Essen aus der Mikrowelle oder schlechtes Kauen – meist kommt er damit zurecht, solange das kein Dauerzustand ist. Viel lieber mag er Obst, Gemüse und milch-saure Lebensmittel wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut.

Obst und Gemüse sind deshalb wichtig, weil sie viel von dem enthalten, was die Darmbakterien besonders mögen: die in Ballaststoffen enthaltenen Prebiotika. Diese Pflanzenbestandteile gelangen unverdaut über den Dünndarm in den Dickdarm, wo sie zumindest teilweise von der Darmflora abgebaut werden. Insbesondere die Milchsäurebakterien profitieren von den Prebiotika, denn sie leben von ihnen. Prebiotika (z. B. Inulin) kommen in vielen Gemüsesorten vor. In großen Mengen stecken sie u.a. in Chicorée, Spargel, Zwiebeln und Getreide.

Prebiotika beugen Darminfektionen vor und stärken das Immunsystem

Beim Abbau der Prebiotika im Dickdarm entstehen Säuren und andere Stoffe. Was ein Segen für unseren Darm ist, denn in diesem Milieu können krankmachende Bakterien nicht überleben, bzw. sie werden in Schach gehalten. Sie völlig zu verdrängen, ist für das Ökosystem Darm auch nicht sinnvoll. Somit: Prebiotika beugen Darminfektionen vor und stärken das Immunsystem.

Neuere Forschungen haben ergeben, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora von Mensch zu Mensch stark unterscheiden kann. So weiß man mittlerweile, dass „die Darmflora von Vegetariern sich deutlich von Menschen die Fleisch essen, unterscheidet“, so Juliane Schwille-Kiuntke vom Universitätsklinikum Tübingen.

Auch zwischen Nationen gibt es Unterschiede. So weisen Japaner eine Besonderheit auf: Ihre Darmflora enthält Bakterien, die schwer bekömmliche Algen verdauen helfen. Ein Vorteil, denn Japaner bereiten Sushi traditionell mit Algenblättern zu. Die Darmflora, so kann vermutet werden, hat sich hier über einen langen Zeitraum an diese Ernährung angepasst.

Das Geheimnis der guten und schlechten Futterverwerter

 „Der Einfluss der Ernährung auf die Darmflora ist groß“, so die Medizinerin. „Doch es scheint bei jedem Menschen eine Art Basis-Set an Darmkeimen zu geben.“ Dieser Nachweis ist kürzlich einem Forscherteam gelungen. Die Wissenschaftler entdeckten drei verschiedene Hauptgruppen. Dabei zeigte sich, dass manche dieser Bakterien besonders effektiv aus den Nährstoffen Energie ziehen können. Damit könnte möglicherweise das Geheimnis der guten und schlechten Futterverwerter gelüftet worden sein.

Das Phänomen, dass bei Menschen Medikamente unterschiedlich wirken können, kann mit der individuellen Zusammensetzung der Darmflora ebenfalls erklärt werden. „Das Spannende ist, dass die Studie Ausblicke für neue Therapien eröffnet“, zeigte sich Juliane Schwille-Kiuntke erfreut. Gerade beim Reizdarm-Syndrom lässt sich immer wieder beobachten, dass manche Patienten auf Probiotika sehr gut ansprechen, andere nicht. Die Studie könnte hierfür eine Erklärung und einen Lösungsansatz liefern.

„Gesunde Menschen brauchen sich um ihre Darmflora keine Sorgen zu machen“, so die Wissenschaftlerin. Auch benötige der Darm keine Fastenpausen, um sich zu regenerieren. „Sie können so viel fasten wie Sie wollen, das individuelle Basis-Set an Keimen bleibt. Das konnte die Heidelberger Studie ja sehr schön zeigen“, sagt die Medizinerin. Die Darmflora aufzubauen sei nur in wenigen Fällen nötig. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Störungen wie Reizdarm könne es manchmal aber sinnvoll sein.

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