Neurexan – homöopathisch verdünnt

Gegen nervöse Unruhe und Schlafstörungen

 Die Nebenwirkungen des modernen Lebens mit Pillen in den Griff zu bekommen, ist – wenn es klappt – zwar praktisch, aber nicht unbedingt dauerhaft empfehlenswert. Nervöse Unruhe und Schlafstörungen zum Beispiel zeigen häufig an, dass das Leben unrund läuft und eigentlich danach schreit, verändert zu werden. TV-Spots unter der Lupe: NeurexanAber bekanntlich ist das manchmal schwierig. Da kommen Produkte wie Neurexan (Hersteller Heel) wie gerufen. Insbesondere dann, wenn sie versprechen, dass man seine Probleme „auf ganz natürliche Weise“ und trotzdem schnell in den Griff bekommt.

„Auszüge aus Passionsblume (Passiflora incarnata), Hafer (Avena sativa), Kaffeesamen (Coffea arabica) und Zinkvalerianat können der Nervosität rasch ein Ende machen, die innere Balance wiederherstellen und kräftigen“, heißt es auf der Internetseite. Soweit das Versprechen des Herstellers. Aber ist die Wirkung überhaupt belegt?

Was im Fernsehspot nicht gesagt wird: Bei Neurexan handelt es sich um eine Mischung mehrerer homöopatisch verdünnter Einzelsubstanzen und nicht um ein „normales“ pflanzliches Naturarzneimittel.

Homöopathische Mittel können wirken, müssen es aber nicht

Man kann natürlich nur spekulieren, ob die potentiellen Käufer in diesem Punkt ganz bewusst im Unklaren gelassen werden, aber ganz ausschließen kann man es nicht. Denn nicht jeder, der ein freiverkäufliches Arzneimittel gegen Schlaflosigkeit sucht, will etwas homöopatisch Verdünntes kaufen. Denn solche Homöopathika zeichnen sich bekanntlich dadurch aus, dass sie wirken können, aber nicht wirken müssen.

So kann man wohlwollend auch die Ergebnisse verschiedener Studien zusammenfassen, die sich mit der Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln bei Schlafpro­blemen und damit zusammenhängenden Beschwerden befasst haben. Wobei viele Studien gravierende Mängel haben – meist ist die Zahl der Versuchsteilnehmer viel zu klein.

Natürlich hat die Herstellerfirma auch die Wirksamkeit von Neurexan untersuchen lassen. Die Ergebnisse sprechen – man ahnt es schon – für das Produkt: Verglichen wurde u.a. Neurexan mit Baldrianpräparaten bei Schlafproblemen. Im Schnitt verlängerte sich die Schlafdauer bei Neurexan um 2,2 Stunden; die Versuchsteilnehmer, die Baldrian eingenommen hatten, kamen nur auf rund zwei Stunden mehr Schlaf.

Erstaunlich an dieser Studie ist, dass Neurexan überhaupt wirkt – und dann sogar stärker als die klassische Einschlafdroge Baldrian. Gehen doch Kritiker der Homöopathie davon aus, dass Pillen mit hochverdünnten Inhaltsstoffen gar nichts bewirken können beziehungsweise nicht besser oder schlechter sind als Placebo-Pillen, die gar keinen Wirkstoff enthalten. Genau das ist bei den meisten (herstellerunabhängigen) Studien auch das ernüchternde Ergebnis. →nächster Bericht

Erschienen in feminin & fit 3/2012

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