Panax ginseng. Im roten Ginseng wirken 28 Ginsenoside

Ginseng ist eine eher unscheinbare Pflanze mit einem knapp einen Meter langen Stängel, an dessen Ende sich sechs fingerförmige Blätter entfalten. Doch ihre wissenschaftlich nachgewiesenen gesundheitlichen Wirkungen sind erstaunlich genug, um sich näher mit der Pflanze zu beschäftigen.

HEILENDE PFLANZEN.
Teil 2 der Serie über Kräuter und andere Gewächse mit medizinischer Wirkung

Die Verästelungen der langen Wurzel erinnern häufig an Kopf, Arme, Rumpf und Beine oder das Gewand eines Menschen. „Die Chinesen gaben ihr daher den Namen jenshen (Ginseng) – das bedeutet Menschenwurzel und setzt sich zusammen aus ‘shen’, Seele, und ‘jen’ Gestalt des Menschen“, so der Ginseng-Experte und Mediziner Dr. Wolfgang Grebe.

Im Reich der Mitte war der Gebrauch von Ginseng Kaisern und den höchsten Würdenträgern des Staates vorbehalten, denn schon damals war die positive Wirkung auf die Gesundheit bekannt.

Dieses Privileg hielt sich über Jahrtausende. In Europa wurde die Wurzel in der Mitte des 9. Jahrhunderts durch die Araber bekannt. Das Wissen um die Heilkraft ging aber wieder verloren.

Auf wachsende Nachfrage in Europa stieß Ginseng erst wieder in den letzten Jahrzehnten mit dem zunehmenden Interesse an alternativen Heilmethoden aus dem fernen Osten. Und da lernte man auch die Feinheiten unterscheiden – denn Ginseng ist nicht gleich Ginseng.

Im Handel findet man roten und weißen Ginseng. Beide Produkte stammen trotzdem von derselben Arzneipflanze ab (Panax ginseng C. A. Meyer). Sie unterscheiden sich aber durch den Erntezeitpunkt, die Art der Verarbeitung und den Wirkstoffgehalt.

Mehr als 300 Inhaltstoffe stecken im Ginseng

Während der weiße Ginseng bereits nach drei bis vier Jahren geerntet wird, reifen die Wurzeln des roten Ginsengs mindestens sechs Jahre lang und weisen einen besonders hohen Wirkstoffgehalt auf. Die rote Färbung entsteht während der Aufbereitung, bei der die frischen Wurzeln mit Wasserdampf behandelt werden.

Mehr als 300 Inhaltsstoffe – darunter Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren – wurden bislang im Ginseng identifiziert. Aber vor allem auf eine Wirkstoffgruppe führt man die Wirkung des Ginsengs zurück – die Ginsenoside. Sie zählen zu den Saponinen, die bei Pflanzen sehr verbreitet sind.

Im roten Ginseng sind bis zu 28 verschiedene Ginsenoside enthalten, im weißen dagegen nur etwa die Hälfte. Was daran liegt, dass manche Ginsenoside erst nach mindestens fünfjährigem Wachstum gebildet werden.

Ginseng hilft dem Organismus zur Normalität zurückzufinden

Aus dem Zusammenspiel der Ginsenoside basiert maßgeblich die beobachtete adaptogene Wirkung des Roten Ginsengs. Das heißt, er kann den Körper dabei unterstützen, sich besser an belastende Substanzen oder Situationen anzupassen, sich also zu adaptieren.

Je nach Gesundheitszustand des Anwenders entfalten die Ginsenoside in ihrem Zusammenspiel – untereinander oder mit anderen Substanzen des Ginsengs – eine unterschiedliche Wirkung. Bei einem gesunden Organismus hat Ginseng vor allem eine präventive Wirkung – schließlich kann ein System, das sich im Gleichgewicht befindet nicht optimiert werden. Seine adaptogene Wirkung entfaltet der Ginseng vor allem dann, wenn ein Ungleichgewicht der Körperfunktionen eintritt. Dann kann Roter Ginseng den Organismus dabei unterstützen zur Normalität zurückzufinden.

Studie: Roter Ginseng kann die Muskelkraft verbessern

Zusamengefasst sind das die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung aus mehreren Jahrzehnten, in der die Pflanze durchweg als gesundheits- und vitalitätsfördernd charakterisiert wird. In Korea wurde viel geforscht, aber auch in Deutschland. In einer Studie an der Uni Gießen mit 70 gesunden Freizeitsportlern im Alter zwischen 52 und 88 Jahren wurde festgestellt, dass roter Ginseng die Muskelkraft verbessern kann. Gleichzeitig berichteten die Sportler über eine deutliche Vitalitätszunahme, verbunden mit einer Steigerung der Kraftleistung und weniger Muskelkater.

Primär wird Ginseng bei Erschöpfung, Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche eingesetzt. Auch Frauen nach den Wechseljahren profitieren vom Ginseng. Ganz konkret wurden bei wissenschaftlichen Untersuchungen folgende Wirkungen festgestellt: u.a. Verbesserung der Aufnahme von Sauerstoff, Förderung der Entspannungsfähigkeit, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, Vorbeugung vor zu hohem Blutdruck und blutdrucksenkend, schnellere Reaktionszeiten, Vergrößerung der Atemkapazität und Verbesserung der Herzschlagrate. Auch ein ganz spezielles Problem von Männern lässt sich mit Panax ginseng in den Griff bekommen: Das Krankheitsbild der erektilen Dysfunktion, was schon vor einigen Jahren eine Studie aus Brasilien gezeigt hat. Über 60 Prozent der Teilnehmer berichteten von einer verbesserten Erektion.

Gut für Diabetiker: Ginseng fördert die Insulinproduktion

Ginseng-Experte Wolfgang Grebe: „Der positive Einfluss von Ginseng auf die Funktion eines geschädigten Herzens ist durch eine Reihe klinischer Studien bestätigt worden.“ Auch Diabetiker profitieren, wie in mehreren Studien gezeigt werden konnte: Die Insulinproduktion wird gefördert und der Kohlenhydratestoffwechsel verbessert sich.

Laut Deutschem Arzneibuch muss ein Ginsengpräparat einen Mindestgehalt von 1,5 % Ginsenosiden enthalten. Je nach Produkt kann der Gehalt bis zu 15 Prozent betragen (Wirkstoffgehalt sollte auf der Verpackung stehen).

Und noch ein Tipp: Als Darreichungsform empfiehlt Dr. Wolfgang Grebe vor allem Extrakte, loses Pulver und Kapseln. „Von Tonika ist eher abzuraten, da diese aufgrund ihrer Beschaffenheit meist nur einen geringen Wirkstoff- dafür aber einen hohen Alkoholgehalt aufweisen.“ Erhältlich sind Ginseng-Produkte in Reformhaus und Apotheke.

 

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