Probiotika: Bei jedem Menschen wirken sie anders

Die Liste der mittlerweile erforschten Wirkungen von Probiotika wird von Monat zu Monat länger. Auch wenn viele wissenschaftlichen Studien die Wirksamkeit von Probiotika bei der Behandlung diverser Krankheiten belegen, haben diese Ergebnisse aus Sicht der Hersteller probiotischer Joghurts nur einen Haken: Ob auch ihre Produkte diese Wirkungen entfalten, ist mehr als fraglich. Denn die Forschungsergebnisse beziehen sich immer nur auf ganz bestimmte Bakterienstämme, die in Joghurts häufig gar nicht verarbeitet werden.

Wirkung bei jedem Menschen anders

Hinzu kommt, dass sie als Lebensmittel ohnehin keine medizinische Wirkung entfalten dürfen. Aber gegen die vielen positiven Forschungsergebnisse haben die Joghurt-Hersteller natürlich nichts einzuwenden. Ihre Erzeugnisse lassen sie – wenn auch unverdient – gerne in der „Pro-Probiotikwelle“ mitschwimmen.

Die Wirksamkeit der probiotischen Joghurts dürfte aber noch aus einem anderen Grund begrenzt sein. Nach Ansicht des in Neuseeland forschenden Wissenschaftlers Gerald W. Tannock ist es ohnehin ziemlich naiv zu glauben, ein einziger Bakterienstamm (zum Beispiel Lactobacillus Casei Defensis in Actimel oder Lactobacillus casei Shirota in Yakult) könne für alle Menschen gleich gut wirksam sein. Dazu seien die biologischen Verhältnisse im Darm eines jeden Menschen viel zu unterschiedlich.

Verlässliche Angaben über die Wirkungen der probiotischen Milchsäurebakterien im Darm zu machen, ist auch deshalb schwierig, weil die Vorgänge dort nicht direkt untersucht werden können. Und die bei jedem Menschen anders zusammengesetzte Darmflora sorgt dafür, dass die Produkte auch bei jedem Einzelnen verschieden stark wirken.

Alternativen für probiotische Joghurts

Trotzdem lassen sich einige allgemeine Aussagen treffen, zum Beispiel die, dass Probiotika den Abbau von Milchzucker (Laktose) fördern. Doch die Ernährungswissenschaftlerin Brigitte Fischer relativiert das gleich wieder: „Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit vertragen herkömmliche Sauermilchprodukte oft besser als probiotische."

Sie sieht auch Alternativen zum regelmäßigen Konsum probiotischer Joghurts: „Genauso gut für die Gesundheit ist es, täglich fettarme gesäuerte Milchprodukte wie Joghurt und Dickmilch zu essen oder Buttermilch zu trinken.“

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