Sex und Liebe in stressigen Zeiten. Wie Paare ihr Leben organisieren sollten

Turbo-Ehen und hektische Partnerschaften sind fast täglich als Komödie im TV zu sehen: Die Paare gehen von früh bis spät arbeiten, sind vernarrt in ihren Beruf, machen Karriere in stressigen Zeiten – und leben sich auseinander. Liebe und Sex spielen immer weniger eine entscheidende Rolle. Seitensprünge kommen hinzu, das Paar lebt sich auseinander. Aber wie fast immer im Film – wie durch ein Wunder vereint die Liebe Mann und Frau nach 90 Minuten wieder.

Die Wirklichkeit sieht meist etwas anders aus. Sie ist wesentlich weniger lustig und eine ganze Ecke anstrengender. Die Arbeitswelt ist stressiger geworden; die Belastung auch auf den unteren Ebenen hat in den letzten zwei Jahrzehnten stark zugenommen.

Frauen klagen über emotionalen Stress und Frustration

Die zunehmende Mitwirkung von Frauen in der einst von Männern dominierten Arbeitswelt bleibt auch nicht ohne Folgen. Beruflich aktive Frauen klagen mehr über emotionalen Stress und Frustration, schlechtere Gesundheit und generelle Unzufriedenheit als Frauen, die sich beruflich nicht so stark engagieren oder ganz zu Hause bleiben.

Also zurück zum Herd? Wohl kaum. Wie sollte das auch funktionieren, wenn heutzutage nur 15 Prozent der amerikanischen Haushalte sich den Luxus leisten können, dass die Frau zu Hause bleibt. In Deutschland dürfte es kaum anders aussehen. Das Geld zum zeitgemäßen Leben muss verdient werden.

Stressige Zeiten: Sex und Liebe kommen zu kurz

In solchen modernen Lebenslagen heißt das Zauberwort „Organisation“. Und wir haben uns wahrlich zu Experten in der Bewältigung unserer Pflichten entwickelt. Denn da niemand mehr automatisch für bestimmte häusliche Aufgaben zuständig ist, muss alles ausgehandelt und geplant werden. Die moderne Partnerschaft kommt nicht mehr ohne Terminkalender aus. Ehepaare werden zu Profis im Manager-ähnlichen Umgang miteinander. Wenn dann noch der Arbeitsplatz des einen weit vom Heimatort entfernt liegt, dann kommt die Zweisamkeit und häufig auch das Sexualleben zwangsläufig zu kurz. Geborgenheit und Mitgefühl können sich in solchen Lebenssituationen nicht entwickeln und können auch nicht gepflegt werden. Still und leise lebt man sich auseinander.

Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Es sind Paare, „die ihre Beziehung zu einer Zufluchtstätte vor den Anforderungen der Außenwelt machen, die angemessene Grenzen setzen, die sich Zeit für den Spaß am Leben nehmen und die alltäglichen Leistungen ihrer Partner honorieren“, so die Psychologin Mary Sotile.

Immer im Gespräch bleiben und den Stress des Lebens gemeinsam bewältigen

Kurz gesagt: Sie bewältigen den Stress des Lebens gemeinsam. Sie bleiben miteinander im Gespräch, für das sie sich auch Zeit nehmen, und wachsen gemeinsam mit neuen Aufgaben. Sie nehmen sich gegenseitig mit auf die Reise der Gedanken und Gefühle. Mary Sotile spricht von einem „dynamischen Duo“.

Ein dynamisches Duo hat erkannt, dass Zuneigung und Vertrautheit ein Schlüssel zur Stressresistenz ist. Sie lösen Probleme auf eine elegante, flexible und offensichtlich effektive Art. Sie bewahren sich selbst 15, 20 und sogar 30 Jahre nach dem Ja-Wort eine hohes Maß an Leidenschaft und emotionaler Nähe.

Wer ein dynamisches Duo werden will, muss nach Mary Sotile neun Hürden nehmen:

  1. Stressreaktionen erkennen
  2. lernen, mit Veränderungen umzugehen
  3. die Umwelt ent-stressen
  4. das Leben in Einklang mit den eigenen Werten gestalten
  5. Rollenkonflikte lösen
  6. Zeit finden (oder schaffen)
  7. krankhafte Eile überwinden
  8. Fantasien in handfeste Pläne umsetzen
  9. die Beziehung neu verhandeln, um Vertrautheit und Intimität lebendig zu halten.

Die Hauptarbeit bei diesem 9-Punkte-Programm ist das Stress-Management. Der Stress muss herausgeholt werden aus allem was gemacht wird. Besonders der selbst verschuldete Stress, den man selbst unter Kontrolle haben kann, muss getilgt werden.

Unter chronischem Partnerstress leiden besonders Frauen

Chronisch gewordener Stress, an den man sich auch gewöhnen kann, macht krank. Und wie Untersuchungen gezeigt haben, leiden besonders Frauen darunter. Das Experiment: 90 frisch verheiratete Paare wurden in einem Experiment beim Streit beobachtet. Während sie lautstark miteinander diskutierten, wurden ihre körperlichen Stressreaktionen gemessen. Während des Streits stieg der Blutdruck der untersuchten Frauen am meisten an. Und noch am nächsten Tag war die Anzahl der wichtigen weißen Blutkörperchen geringer als vor dem Streit.

Jede Veränderung ist Stress, besonders wenn sie von außen kommt (Arbeitslosigkeit). Aber viel Stress kann erspart werden, wenn Entscheidungen in Ruhe getroffen werden und nicht erst gewartet wird, bis andere für einen entscheiden.

Stress vermeiden – im Einklang mit Werten und Überzeugungen leben

Was ist einem wichtig im Leben? Mary Sotile erwähnt eine Liste mit 20 möglichen Werten:

  1. Sicherheit
  2. Status
  3. Gemochtwerden
  4. Anerkennung
  5. Bestätigung
  6. Zuneigung
  7. Zugehörigkeitsgefühl
  8. echte Freundschaften
  9. Glauben
  10. aufregende Erlebnisse
  11. Akzeptanz
  12. Macht
  13. Erfolg
  14. Autorität
  15. Dienste für andere
  16. Ruhm
  17. Geld
  18. enge familiäre Beziehungen
  19. Spaß
  20. körperliche Gesundheit.

Kann ich die Werte, die mir wichtig sind, in meinem Leben umsetzen? Wenn nicht, wie kann ich das ändern? Wenn ich mit Macht und Autorität nicht viel anfangen kann, will ich dann wirklich auf eine Stelle als Vorgesetzter hinarbeiten? Lohnt sich der Aufwand, wenn ich jetzt schon ahne, dass ich in dieser Position nicht glücklich werde? Das Ziel muss immer sein, unnötigen Stress zu vermeiden, denn der bringt direkt oder auf Umwegen Unruhe in eine Partnerschaft.

Organisieren Sie Ihr Leben ohne den Stress der Berufswelt

Aber auch wer Dinge im Leben machen muss, die ihm nicht behagen und vielleicht sogar zuwider sind, muss nicht verzweifeln, vorausgesetzt es fehlt nicht an gegenseitiger Unterstützung. Der Stress der Berufswelt muss benannt werden und er muss zur Sprache kommen. Nur so kann er bewusst aus dem Leben herausgehalten werden. Wer seine Sorgen, Nöte und Ängste unausgesprochen mit sich herumträgt, bleibt reiz- und unberechenbar. Stress in Partnerschaft und Familie sind die Folge.

Den Fuß vom Gas zu nehmen, damit die Lebensqualität wieder ansteigt und die Beziehung wieder eine Chance bekommt, ist leichter gesagt als getan. Wo soll man beginnen?

  • Beginnen Sie den Tag mit einigen Minuten der Ruhe
  • Stehen Sie früher auf, damit der Morgen nicht gleich hektisch beginnt
  • Achten Sie auf Zeichen innerer Anspannung. Wenn Sie mit angespannten Schulter dasitzen, lassen Sie sie bewusst locker hängen
  • Lernen Sie Stille zu genießen
  • Fahren Sie Ihr Auto nicht schneller als erlaubt
  • Machen Sie Pausen, um Spannungen abzulegen
  • Tun Sie eins nach dem anderen, ganz bewusst
  • Holen Sie die Hektik aus Ihren Handlungen heraus
  • Wenn Sie ahnen, wo Ihre persönlichen Stressfallen liegen, schreiben Sie sich Ihre neuen Handlungsziele auf. Das erleichtert die Umsetzung.

Ebenfalls sollten Sie nicht vergessen: Akzeptieren Sie Dinge, die Sie nicht ändern können. Meiden Sie überflüssige Kämpfe. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Klugheit, die Ihrer psychischen Gesundheit zugute kommt. Versuchen Sie Arbeit und Privatleben auseinanderzuhalten. Nehmen Sie keine Arbeit mit nach Hause. Wenn Sie zu Hause sind, dann realisieren Sie diesen Wechsel. Wenn Sie schon nicht während der Arbeit den Fuß vom Gas nehmen können, dann tun Sie es jetzt.

Harmonie in der Partnerschaft ist der Schlüssel zu Gesundheit und Glück

Mary Sotile sagt: „Ich glaube daran, dass Harmonie der Schlüssel zu Gesundheit und Glück ist. Das moderne Leben steckt voller Herausforderungen, doch keine davon ist wichtiger als der Kampf, diese Harmonie am Leben zu erhalten.“

Zum Schluss zehn Charakteristiken um aus einem Paar ein Dynamisches Duo zu machen:

  1. Akzeptieren Sie, dass Sie ständig an Ihrer Beziehung arbeiten müssen.
  2. Akzeptieren Sie, dass es im echten Leben kaum besser wird als „gut genug“.
  3. Kommunizieren Sie miteinander.
  4. Helfen Sie sich gegenseitig mit Ärger fertig zu werden.
  5. Erklären Sie Ihre Verbundenheit immer wieder von Neuem.
  6. Erlauben Sie dem anderen, sich zu ändern.
  7. Genießen Sie das Leben.
  8. Seien Sie jemand, dem man vertrauen kann.
  9. Verzeihen Sie.
  10. Sorgen Sie füreinander.

Es gibt keine perfekten Beziehungen. Aber es gibt Menschen, die verstanden haben, dass Mann, Frau, Arbeit und Familie in einer untrennbaren Wechselbeziehung zueinander stehen; Menschen, die alles tun, was in ihrer Macht steht, um sich gegenseitig dabei zu unterstützen, diesen tägliche Balanceakt in den Griff zu bekommen.

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