Sick-Building-Syndrom: Krank durch die eigene Wohnung

Wie es entsteht und was Sie dagegen tun können

 Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen, allgemeines Unwohlsein – immer häufiger werden Holzschutzmittel, Teppichkleber oder Schimmelpilz-Sporen in der Luft als Ursachen von Befindlichkeitsstörungen oder sogar chronischen Krankheiten entdeckt. Es sind Krankheiten, die man sich in der eigenen Wohnung oder am Arbeitsplatz "einfängt". Einen passenden Begriff für diese Gesundheitsstörungen gibt es auch schon: „Sick-Building-Syndrom“.

Das Sick-Building-Syndrom bezeichnet eine Reihe von Beschwerden, die durch „kranke Gebäude“ verursacht werden. Der Begriff stammt aus den USA und bezog sich ursprünglich vor allem auf Gesundheits- und Befindlichkeitsstörungen, die im Zusammenhang mit Klimaanlagen auftauchten. Heute wird das Sick-Building-Syndrom umfassender gesehen. Neben Klimafaktoren können auch Innenraumbelastungen durch Schadstoffe aus Baumaterialien oder Schimmelpilze die Ursache dafür sein, dass Gebäude Menschen krank machen.

Das Sick-Building-Syndrom zeigt sich in folgenden Krankheitszeichen, die einzeln oder zusammen auftreten können:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit, Antriebsschwäche
  • Reizungen von Augen, Nase und Rachen
  • Verstopfte Nase
  • Trockene Augen, Hautausschlag
  • Engegefühl in der Brust
  • Atembeschwerden
  • Unangenehme Geruchs- und Geschmacksveränderungen
  • Übelkeit, Magenbeschwerden

 Solche Symptome können schon wenige Stunden nach Betreten eines bestimmten Gebäudes oder Raumes auftreten. Die Beschwerden verschwinden wieder oder schwächen sich ab, sobald man die Räumlichkeiten einige Zeit gemieden hat.

Das Problem: Nicht jeder Mensch reagiert in gleicher Weise empfindlich auf Innenraumbelastungen, was am Arbeitsplatz zu Problemen führen kann. Denn dort gilt: Erst wenn ca. 20 bis 25 Prozent der Gebäudebenutzer an ähnlichen Symptomen leiden, deutet das auf ein Stick-Building-Syndrom hin. In den eigenen vier Wänden gelten solche Prozentsätze natürlich nicht: Auftretende Krankheitszeichen sollten ernst genommen werden.

Die Ursachen für das Sick-Building-Syndrom sind vielfältig. Schlechtes Raumklima, mangelhafte Beleuchtung, Schadstoffe in der Luft und Schimmelpilze sind die Hauptursachen. Aber auch psychische Faktoren spielen eine große Rolle.

Raumklima: Häufig zu warm und zu trocken

In vielen Räumen ist es zu warm und zu trocken. Besonders im Winter, wenn die Räume überheizt und die Fenster geschossen sind, sinkt die relative Luftfeuchtigkeit oft unter 30 Prozent. Dann kommt es leicht zur Austrocknung der Augenbindehäute und der Schleimhäute von Nase, Rachen und Bronchien. Augenbrennen und Bindehautentzündungen der Augen sowie eine Neigung zu Atemwegsinfektionen können die Folge sein.

Perfekt abgedichtete Fenster und Türen senken im Winter zwar die Heizkosten, vermindern aber auch den Zustrom von Frischluft. Daraus resultieren vor allem überhöhte Luftwerte von Kohlendioxid (oft fälschlicherweise als Sauerstoffmangel interpretiert). Die Folge: Konzentrationsstörungen und Müdigkeit.

Belastung der Raumluft

Seltenes Lüften lässt die Konzentration von ausgedünsteten Schadstoffen ansteigen. Die Wirkungen auf den Menschen können sehr unterschiedlich sein. Doch die Erfahrung zeigt: Schwerwiegende Gesundheitsstörungen sind äußerst selten und nur bei ausgesprochenen hohen Konzentrationen zu erwarten.

Allergieauslösende Substanzen

Schimmelpilze in Holzverkleidungen oder an den Wänden können Atemwegsallergien mit Fließschnupfen und Bronchialasthma verursachen. Im Keller oder im Badezimmer finden Schimmelpilze gute Wachstumsbedingungen, wenn die Luftfeuchigkeit über 70 Prozent ansteigt. Wasserniederschläge an kalten Außenflächen (Fenster), Zimmerpflanzen oder „Kältbrücken“ in selten oder schlecht geheizten Gebäudeteilen lassen Schimmelpilze ebenfalls gut gedeihen. Auch schlecht gewartete Klimaanlagen geben oft allergieauslösende Schimmelpilzsporen an die Raumluft ab.

Beleuchtung: Mal zu hell, mal zu dunkel

Zu helle oder zu dunkle Lichtverhältnisse im Innenraumbereich können das Wohlbefinden beeinträchtigen und Kopfschmerzen, Augenbrennen, Gereiztheit oder Depressionen hervorrufen. Lichtfarben beeinflussen darüber hinaus die Sehschärfe Bei Licht mit überwiegendem Rotanteil (z. B. Glühlampen) kommt es zur leichten Weitsichtigkeit. Ist mehr Blau im Licht (z. B. bei vielen Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen) kann das normalsichtige Auge kurzsichtig werden. Je sonnenähnlicher die Lichtzusammensetzung ist (Vollspektrumlichtlampen), um so besser.

Psychologische Faktoren

Die Symptome eines Sick-Building-Syndroms können auch psychologischen Ursprungs sein. Persönliche Belastungssituationen, privater oder beruflicher Stress oder die allgemeine Angst vor einer Vergiftung der Umwelt durch immer mehr Chemie verleiten oft zu der Annahme, selbst an einer Umwelterkrankung zu leiden. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass in vielen Fällen nicht das Gebäude oder die Wohnung schuld an den Beschwerden ist.

Schon vor einigen Jahren hatte eine Krankenkasse im Ruhrgebiet bei „Umwelt-Checks“ festgestellt, dass sich bei den rund 2000 Anfragen in den meisten Fällen andere Ursachen für die Beschwerden finden ließen. Rund 300 mal hielten die Ärzte den Einfluss einer Innenluftverunreinigung jedoch für denkbar und führten vor Ort entsprechende Messungen durch. Doch nur in 42 Wohnungen bestätigte sich tatsächlich der Verdacht einer Innenraumbelastung durch Schadstoffe. Umweltambulanzen der Unikliniken Düsseldorf und Aachen waren zu ähnlichen Ergebnisse gekommen.

Was kann man machen?

Falls eine Innenraumbelastung vorliegt, verschwinden die Krankheitszeichen nach Beseitigung der Ursachen. Beim Neubau oder der Renovierung sollten vorbeugend folgende Grundsätze beachtet werden:

  • Auswahl schadstoffarmer Baustoffe. Dabei ist es sinnvoll, sich an den entsprechenden Umweltsiegeln zu orientieren (siehe Infobox auf Seite 60).
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  • Möglichst keine Verwendung von lösemittelhaltigen Klebern, Lacken und Schäumen, behandeltem Holz und Teppichböden mit starker Chemikalienausdünstung.
  • Vor dem Bezug sollten die Räume gründlich gereinigt und ausgiebig gelüftet werden. Auch später ist auf eine gute Lüftung zu achten.                   
  • Für das Wohlbefinden sollten die Räume hell und ausreichend beleuchtet sein.

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