TV-Spots unter der Lupe: Dulcolax

Was der Darm gar nicht mag

Seit 1952 gibt es das Abführmittel Dulcolax zu kaufen. Der Wirkstoff heißt Bisacodyl, der bei kurzfristiger Anwendung als relativ nebenwirkungsarm gilt. TV-Spots unter der Lupe: DulcolaxProbleme macht gelegentlich der in den Dragees enthaltene Farbstoff Gelborange S, der bei entsprechend veranlagten Menschen allergische Reaktionen hervorrufen kann.

Problematisch ist an Abführmitteln  in vielen Fällen nicht das Medikament oder der Wirkstoff an sich. Es ist die regelmäßige Einnahme, die dem Körper nicht gut bekommt. Das gilt auch für den Wirkstoff Bisacodyl: Wird er zu lange oder zu hoch dosiert eingenommen, kommt es häufig zum Verlust von Wasser, Kalium und anderen Salzen.

Darmträgheit kann verstärkt werden

„Dies kann zu einer Verstärkung der Darmträgheit führen“, wie auch im Beipackzettel von Dulcolax zu lesen ist. Andere mögliche Folgen: Störungen der Herzfunktion und Muskelschwäche. Die können insbesondere dann auftreten, wenn gleichzeitig noch harntreibende (Diuretika) oder kortisonhaltige Arzneimittel eingenommen werden.

Abführmittel machen zwar nicht (psychisch) süchtig, doch sie gehören zu den Mitteln, die sehr häufig über viel zu lange Zeiträume eingenommen werden. Die Abhängigkeit geht soweit, dass der Stuhlgang ohne Pillen gar nicht mehr geht. Die Hauptgründe für eine schlechte Darmfunktion: Es mangelt an körperlicher Bewegung und es werden zu wenige Ballaststoffe in Form von Obst und Gemüse gegessen. Oft wird auch einfach nur zuwenig getrunken.

Wenn der Stuhlgang ohne Pillen gar nicht mehr geht

Und dann ist da noch der Glaube, dass der Darm mindestens einmal am Tag entleert werden müsse. Doch auch nur dreimal pro Woche ist normal.
Von einer möglichen Darmträgheit durch den regelmäßigen Gebrauch von Dulcolax ist im TV-Werbefilm des Pharmaherstellers Boehringer natürlich nichts zu hören und zu lesen (vom allgemeinen Hinweis auf die Packungsbeilage einmal abgesehen).

Ganz im Gegenteil: Die regelmäßige Einnahme des Abführmittels wird unseres Erachtens in dem TV-Werbefilm geradezu angeregt: Untermalt von tiefen Klängen steht eine Frau, die an Verstopfung leidet, in einem fast dunklen Raum am offenen Fenster. Wie jeden Abend schließt sie die hölzernen Fensterläden. Dann nimmt sie Dulcolax. Und am nächsten Morgen öffnet sie das Fenster wieder – lächelnd und entspannt. Im Hintergrund ist ihre fröhliche Familie zu sehen. Der Zuschauer soll lernen: So lässt sich eine Verstopfung lösen – über Nacht im Schlaf und sie lässt sich regelmäßig so behandeln; das ist so selbstverständlich, wie das tägliche Schließen und Öffnen von Fensterläden.

Wer diesen Werbefilm gesehen hat, kann dann nur noch den Kopf schütteln, wenn er in der Gebrauchsinformation, die auch der Packung mit 100 Dragees beiliegt, unter anderem liest: „Die Anwendung von Dulcolax ist in der Regel eine Einmalanwendung.“ →nächster Bericht

Erschienen in feminin & fit 2/2012

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