Verhüten ohne Hormone. Die besten hormonfreien Verhütungsmethoden

Hormonfreie Verhütungsmittel und hormonfreie Verhütungsmethoden haben es nicht leicht. Sie stehen in der Diskussion über die richtige Verhütung im Abseits. Viele Frauen, insbesondere die jungen, haben von ihnen nur am Rande mal etwas gehört, wenn überhaupt (vom Kondom einmal abgesehen). Doch es gibt gute Gründe, sich mit den hormonfreien Alternativen zu beschäftigen. Denn der entscheidende Vorteil ist: Der Körper wird nicht mit Chemikalien belastet, deren Wirkungen bis heute nur unzureichend erforscht sind. Wir stellen hier die wichtigsten hormonfreien Verhütungsmittel vor und sagen, wie sie funktionieren.

  • Hormonfreie Spirale: No-Go für die befruchtete Eizelle

Sie besteht aus einem flexiblen, lilienförmigen und mit Kupfer beschichteten Kunststoffrahmen. Der genaue Wirkungsme­chanis­mus einer hormonfreien Spirale ist noch ungeklärt. Vermutet wird aber, so der Gynäkologe Dr. Rainer Gros vom Klinikum Idar-Oberstein, „dass die Gebärmutter­schleimhaut durch die Spirale so verändert wird, dass eine Einnistung der befruchteten Eizelle unmöglich gemacht wird.“

Als Fortentwicklung gibt es mittlerweile auch sogenannte Gold-Kupfer-Spiralen, die im Unter­schied zur reinen Kupferspirale noch verträglicher sein sollen. Sie bestehen aus einem Polyethylenrahmen, um den ein Draht aus einer Gold-Kupfer-Legie­rung gewickelt ist.

Hormonfreie Spiralen werden vom Gynäkologen in die Gebärmutter eingelegt und müssen spätestens nach fünf Jahren ausgewechselt werden, die Gold-Kupfer-Spirale soll bis zu 10 Jahren in der Gebärmutter verbleiben können.

  • Portiokappe: Das Kondom für die Frau

Bei dieser fast schon in Vergessenheit geratenen hormonfreien Verhütungsmethode wird das Eindringen der Spermien in die Gebärmutter (Portio) mit einer kleinen Halbkugel aus Gummi oder Kunst­stoff verhindert. Die Portio­kappe wird von der Frau kurz vor dem Geschlechts­verkehr in die Scheide eingeführt und über den Mutter­mund gestülpt.

Um die Sicherheit zu erhöhen, sollte die Portiokappe nur mit einem spermienabtötenden Mittel zum Einsatz kommen.

Nach dem Geschlechts­verkehr muss die Kappe noch für einige Stunden in der Scheide verbleiben. Der Vorteil: Verhütet wird nur bei Bedarf und es gibt keine Hormonbelastung. Nachteil: die anfänglich schwierige Handhabung.

Eine spezielle Form der Portiokappe ist das Lea contrazeptivum. Es ist so konstruiert, dass es sich nach dem Einführen in die Scheide am Muttermund festsaugt.

  • Scheidendiaphragma: Ebenfalls ganz ohne Hormone verhüten

Wirkung und Anwendung des Scheidendiaphragma ist mit der Portiokappe vergleichbar und funktioniert ebenfalls ganz ohne Hormone. Diaphrag­men bestehen aus einem elastischen Ring mit einer gewölbten Gummi- oder Silikonhaut und werden ebenfalls vor dem Geschlechts­verkehr in die Scheide eingeführt.

Und zwar so, „dass es den oberen Anteil der Scheide fest abschließt, so dass keine Samenzellen in die Gebärmutter eindringen können“, sagt Dr. Rainer Gros. Die passende Größe wird mit Messringen bestimmt und vom Gynäkologen angepasst. Dr. Gros: „Später können Sie das Scheidendiaphragma selbst mit der Hand oder mit Hilfe eines Einführungsstabes einsetzen und am nächsten Morgen wieder entfernen.“ Länger als 12 Stunden sollte ein Diaphragma aber nicht in der Scheide verbleiben, weil es sonst durch seinen mechanischen Reiz zu einer Entzündung führen kann.

  • Verhüten mit der Temperaturmethode: Ganz natürlich kein Kind

Sie ist die wohl bekannteste natürliche hormonfreie Verhütungsmethode. Die fruchtbaren Tage werden anhand der Körpertemperatur ermittelt, denn nach dem Eisprung steigen die Werte in der zweiten Zyklushälfte leicht an. Die Körpertempe­ratur wird jeden Morgen vor dem Aufstehen um die gleiche Zeit, mit dem gleichen Thermometer und am gleich Ort (Mund oder After) gemessen und in eine Tabelle eingetragen. Anhand des Kurvenverlaufs lassen sich dann die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage ermitteln. Bei disziplinierter An­wendung gilt sie als relativ sichere Methode. Hauptnachteil ist, dass die Temperaturmethode sensibel auf äußere Einflüsse wie grippale Infekte und Stress reagiert und dann wenig aussagekräftig ist.

  • Methode nach Billings: Warten auf den zähen Schleim

Der Schleim vom Gebärmutterhals gibt ebenfalls Hinweise auf den Zeitpunkt der fruchtbaren Tage. Normalerweise ist der sogenannte Zervixschleim zäh und lässt sich zu maximal zwei Zentimeter langen Fäden ziehen (etwas Schleim zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen). In der fruchtbaren Zeit hingegen ist der Schleim wesentlich flüssiger. Jetzt lassen sich bis zu 10 Zenti­meter lange Fäden ziehen.

  • Symptothermale Methode: Verhüten mit der Kombi-Methode

So heißt die Kombination aus Temperatur- und Billings-Methode. Gynäkologe Dr. Gros: „Die unfruchtbaren Tage beginnen dann, wenn der flüssige Zervix­schleim verschwunden ist und drei Temperatur­werte gemessen werden, die höher sind als an den vorausgegangenen sechs Tagen.“

Wenn diese Verhütungsmethode korrekt angewendet wird, bietet sie die höchste Sicherheit aller biologischen Methoden der Verhütung. Laut Untersuchungen wenden in Deutschland zirka 15 Prozent aller Paare die auch als „Natür­liche Familien­planung“ (NFP) bekannte Methode an. Bei einer Studie, die die Gynäkologen Professor Günter Freundl und Dr. Petra Frank-Herrmann mit 62 Frauen durchgeführt haben, ergab die Methode keinen einzigen falschen Befund.

Ein NFP-Schnellkurs (Arbeitsgruppe NFP, Malteser Werke) kann von eigens dafür ausgebildeten NFP-Beratern besucht werden. Infos im Internet unter www.nfp-online.de.

  • Verhüten mit dem Zykluscomputer: Für Freundinnen von Technik

Mit einem Zykluscomputer können Frauen  ihre fruchtbare Phase ebenfalls selbst bestimmen. Anhand zweier Hormone (LH und Estradiol) im Morgenurin werden die fruchtbaren Tage zum Beispiel durch ein rotes Licht angezeigt. Die Verhütungszuverlässigkeit ist hoch und liegt nach Herstelleran­gaben bei 94 Prozent.

  • Kondom: Der Klassiker unter den Verhütungsmitteln

Es gehört zu den Klassikern unter den mechanischen Methoden. Hierzu­lande werden Kondome von rund jedem achten Paar zur Em­pfäng­nisverhütung genommen. Es ist das einzige Verhütungsmittel, mit dem – bei richtiger Anwendung – eine Aids-Ansteckung verhindert wird. → Weiter mit Teil 2

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