Yoga mit schädlichen Nebenwirkungen: Nicht immer gut für Körper und Geist

Strecken, dehnen, beugen oder drehen – im Yoga ist alles möglich, was der Körper mitmachen kann. Immer mehr Menschen lassen sich von diesem Sport begeistern. Doch längst nicht alle Stellungen – Asanas genannt – sind eine Wohltat für Körper und Geist. Die möglichen schädlichen Nebenwirkungen sind teilweise gravierend. Was läuft falsch im Yoga?

Unbestritten ist: Wer Yoga – egal welchen Stil – richtig praktiziert, nicht übertreibt und bei den einzelnen Übungen im Rahmen seiner körperlichen Möglichkeiten bleibt, erhöht seine Beweglichkeit und fördert gleichzeitig seine mentale Entspannung.

Exotische Stellungen werden zur Gefahr für den Körper

Gefährlich wird es, wenn – was beim Yogakurs in Gruppen häufig zu beobachten ist – ein unausgesprochener Wettbewerb nach dem Muster abläuft: Was die Mattennachbarin kann, das schaffe ich auch. Und plötzlich sind alle Vorsätze, es behutsam angehen zu lassen, über Bord geworfen: Die Dehnungen werden intensiver, die Beugungen gewagter. Die Warnsignale des Körpers werden überhört – und am Ende verlässt man humpelnd den Übungssaal.

Es ist ein Merkmal des Yoga, dass viele Übungen immer zweierlei sind: Sie haben einen sportlichen Aspekt und gleichzeitig wird ihnen eine bestimmte positive Wirkung auf den Organismus nachgesagt. Manche Stellungen sind aber so exotisch, dass sie zur Gefahr für den Körper werden können.

Vor einigen Monaten ging ein Bericht in der New York Times genau auf diese Zusammenhänge ein, die zwar bekannt sind, über die aber nur selten öffentlich diskutiert wird. Eine Lawine von teils wütenden Leserbriefen war die Folge. Denn in dem Bericht („How Yoga can wreck your Body“, freundlich übersetzt: „Wie Yoga Ihrem Körper schaden kann“) wurden etliche Mythen infrage gestellt. So gehen viele Yogalehrer davon aus, dass Yoga – und das heißt jede Yogastellung –  schlechthin ein Segen für den Körper ist. Punkt. Mögliche negativen Nebenwirkungen werden ausgeblendet oder als Ausnahme beiseite geschoben. Oder es kommt die Lieblingsbegründung: Wenn etwas passiert, war der Yogaschüler eben „noch nicht soweit“ für diese Übung.

Yoga-Kurse: Je älter die Teilnehmer desto größer sind die Gefahren

Von diesen negativen Erfahrungen spricht auch der Yoga-Experte William J. Broad. („The Science of Yoga“). So mancher Yogalehrer habe sich schlichtweg geweigert, sich mit ihm über die negativen Seiten von Yoga zu unterhalten. Doch es gibt sie, die unerwünschten Nebenwirkungen, und je älter die Teilnehmer in den Yogakursen sind, desto größer sind auch die Gefahren. Denn mit zunehmendem Alter geht die Beweglichkeit der Gelenke und die Dehnbarkeit von Muskeln und Sehnen zurück.

Die körperlichen Schäden reichen von eingeklemmten Nerven zum Beispiel durch zu langes Sitzen im Diamantsitz, bis hin zu Netzhautablösungen beim Kopf- oder Nackenstand.

Mögliche Yoga-Folgen: Bandscheibenvorfall und Schlaganfall

 Vorsicht ist auch bei der „Kopra“ („Bhujangasana“) geboten: Der Ausübende liegt auf dem Bauch, die gestreckten Arme drücken den Oberkörper nach oben und der Kopf wird weit nach hinten gebeugt. Mögliche Folgen: akuter Bandscheibenvorfall und Schlaganfall.

Auch um die beliebte Rumpfbeuge sollten Yogaeinsteiger ihrer Wirbelsäule zuliebe einen Bogen machen: Man sitzt mit gestreckten Beinen auf dem Boden und beugt den Oberkörper so weit nach vorne, dass die Hände die Füße berühren oder umfassen können.

Resümee: Dass Yoga „so sicher wie Muttermilch“ sei, wie einmal der Yoga-Guru Swami Gitananda sagte, sollte man vor dem Hintergrund der möglichen Folgen jedenfalls nicht mehr behaupten.

Yogaübungen, die die Gesundheit gefährden. Was empfehlen die Fachzeitschriften?

 Wer sich die beiden großen deutschsprachigen Yogazeitschriften „Yoga aktuell“ und „Yoga Journal“ näher ansieht, findet bestätigt, was er schon dunkel geahnt hat: Auf manchen Bildern sind Menschen in derart verrenkten oder unnatürlichen Stellungen abgebildet, dass einem nur eine Frage in den Sinn kommt: Und das soll gesund sein?

Glaubt man den Texten in diesen Zeitschriften, dann fördern solche zirkusreifen Körperhaltungen die Entwicklung von Geist und Seele. So heißt es zum Beispiel zur „Schildkröte“ („Kurmasan“) im „Yoga Journal“: „In dieser geschlossenen Körperhaltung üben Sie sich darin, auch die Sinne zurückzuziehen. Das Bändigen der Sinne führt zu einem ruhigen Geist, der es Ihnen ermöglicht, sich mit der wahren Natur des Bewusstsein zu verbinden.“

Das ist Wortgeklingel vom Feinsten. Warum diese Wirkung nun gerade mit dieser Übung errreicht wird – wir erfahren es nicht. Aber zumindest erfährt der Leser in einem Infokasten, dass diese Übungen zum Beispiel für Schwangere oder Menschen mit Bandscheibenproblemen nicht geeignet sind. Immerhin.

Mehr zu den gesundheitlichen Schäden durch Yoga liest man einige Seiten vorher. Ein Physiotherapeut erläutert die Gefahren, die vom Kopf- und Schulterstand ausgehen: Muskelzerrungen, blockierte Wirbelgelenke, eingeklemmte Nervenwurzeln, Bandscheibenverletzungen, Empfindungsstörungen im Kopf-, Nacken- und Schulterbereich sowie in Armen und Händen, Sehstörungen, Ohrgeräusche etc.

Auf Kopfstand oder Schulterstand verzichten?

Die Auflistung ist ausführlich und beschönigt nichts. Doch was ist die Empfehlung? Einfach auf diese Übung verzichten? Leider nein. Solche Tipps sollte man in einer Yoga-Zeitschrift dann doch nicht erwarten. Der Ratschlag lautet vielmehr: „Man sollte vorsichtig sein, erst in die Haltung gehen, wenn man sich genügend Kraft, Kontrolle und Beweglichkeit für die Haltung angeeignet hat und die sanften Übergänge nicht vergessen. . . .“

Fragt sich nur: Woher wissen Übende mit Sicherheit, dass sie bereit sind für den Kopf- oder Schulterstand? Zumindest wissen sie sicher, dass sie noch nicht soweit waren, wenn die erwähnten unerwünschten Folgen aufgetreten sind. Aber dann ist es bekanntlich zu spät.

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