Zahnpflege: Nicht jeder Trend muss mitgemacht werden

Neue Angebote meist nicht lange erprobt

Jedes Jahr ein neues Produkt mit anderen technischen Eigenschaften, die noch mehr Reinigungskraft versprechen. So oder ähnlich wird vermutlich der geheime Masterplan der Hersteller von elektrischen Zahnbürsten überschrieben sein. Doch muss jeder, der seine Zähne gut pflegen will, wirklich alle Zahnpflegetrends mitmachen?

 Mal rotiert der Bürstenkopf, mal vibriert er, mal sollen Schallwellen den Zahnbelag lösen, dann geht es wieder ohne. Auch die Größe des Bürstenkopfes ändert sich im Jahresrhythmus: Mal ist ein kleiner das Nonplusultra, dann wieder ein großer Bürstenkopf. Und für alles werden gute und plausibel klingende Argumente vorgebracht.

Dazu gibt es natürlich die passenden Forschungsergebnisse, die in der Werbung von graumelierten Herren in weißen Kitteln mit ernster Miene erläutert werden. Der Einfallsreichtum der Industrie ist grenzenlos. Soll er doch dafür sorgen, dass der Käuferstrom nicht so schnell versiegt.

Borsten der Zahnbürste schwingen hin und her – reinigt das wirklich besser?

Der neuste Clou kommt zum Beispiel vom Hersteller Oral B. Die Zahnbürste läuft unter der Bezeichnung „TriZone“. Da ist von einer „einzigartigen Drei-Zonen-Tiefenreinigungs-Technologie“ die Rede, die „tief in die Zahnzwischenräume“ gelangt. Neuartig ist die Putztechnologie in der Tat. Die Borsten machen keine rotierenden Bewegungen, sondern sie schwingen hin und her. Mal schneller mal langsamer, je nach Modell. Denn die Zahnbürste ist – aus welchen Gründen auch immer – in vier verschiedenen Versionen zu haben.

Auch wenn die Technologie neu ist – ist eine solche Zahnbürste deshalb besser als andere Zahnreinigungsgeräte? Aus Sicht des Herstellers ist das eine überflüssige Frage. Aber solange keine herstellerunabhängigen Langzeitstudien existieren, die die Folgen für Zähne und Zahnfleisch untersuchen, sollte man eher skeptisch bleiben. Gerade an solchen unabhängigen Studien mangelt es in der Zahnmedizin prinzipiell.

Zahnmedizin: Behandlungsmethoden mit unsicherer Wirkung

Harald Terpe, selbst promovierter Mediziner und Mitglied der Grünen im Bundestag, hat das vor kurzem von der Bundesregierung schriftlich bekommen. Er hatte angefragt, wie es um die Versorgungsqualität in der Zahnmedizin bestellt ist. Das Ergebnis: In wesentlichen Teilen der Zahnmedizin wird auf evidenzbasierte Qualitätsstandards verzichtet. Was heißt: Bei der Vorsorge und in den Zahnarztpraxen kommen Behandlungsmethoden mit unsicherer Wirkung zur Anwendung.

Das Feld für wenig geprüfte Angebote rund um unsere Zähne ist groß.  Ob regelmäßiger Gebrauch von Zahnseide oder die mittlerweile recht teuer gewordene Prophylaxe beim Zahnarzt („Professionelle Zahnreinigung“) – auch wenn man danach ein gutes Mundgefühl hat: Eine Garantie, dass die Zähne deshalb länger gesund bleiben, kann nicht gegeben werden.

Schäden durch professionelle Zahnreinigung? Keiner weiß es genau

 Dieser Meinung ist auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen. Er hat vor einigen Monaten die aktuelle Studienlage gesichtet und ist zu dem Schluss gekommen: „Es gibt keine ausssagekräftigen Studien, die untersucht haben, ob die professionelle Zahnreinigung tatsächlich die Zahngesundheit positiv beeinflusst.“ Und: „Über mögliche Schäden der professionellen Zahnreinigung gibt es wenig Erkenntnisse“.

Die Gesamtbewertung des Medizinischen Dienstes: „Da wir insgesamt weder Hinweise auf einen Nutzen noch auf Schäden sehen, bewerten wir die „Professionelle Zahnreinigung“ bei Erwachsenen ohne Parodontitis mit ‘unklar’.“

In Anbetracht der zahnärztlichen Dauer-PR in vielen Praxen für diese Art der Vorsorge ist das dann doch ein ernüchterndes Ergebnis.

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